Bosnische Staatsführung am Mittwoch in Belgrad erwartet

Belgrad/Sarajevo (APA) - Drei Mitglieder der bosnische Staatsführung - Dragan Covic, Mladen Ivanic und Bakir Izetbegovic - werden am Mittwoc...

Belgrad/Sarajevo (APA) - Drei Mitglieder der bosnische Staatsführung - Dragan Covic, Mladen Ivanic und Bakir Izetbegovic - werden am Mittwoch zu einem zweitägigen Besuch in Belgrad erwartet. Dazu kommt es nach den zwei jüngsten Urteilen des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen im einstigen Jugoslawien (ICTY) - gegen den früheren bosnisch-serbischen Militärchef Ratko Mladic und gegen sechs bosnische Kroaten in der Vorwoche.

Für Unmut in Belgrad hatte kürzlich eine Aussage von Bakir Izetbegovic gesorgt. In einem Interview hatte er nämlich die Hoffnung auf die Anerkennung des Kosovo durch Bosnien bekundet, was heftige Reaktionen mehrerer serbischer Regierungsmitgliedern zur Folge hatte. Serbiens Präsident Aleksandar Vucic wollte die Aussage nicht kommentieren.

Im Vordergrund des bevorstehenden Besuches sollen eine Verbesserung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und die offenen Grenzfragen stehen. An der knapp 370 Kilometer langen Grenzlinie sind laut Medienberichten noch etwa 22 Hektar um die zwei serbischen Wasserkraftwerke am Grenzfluss Drina, in Zvornik und Bajina Basta, strittig. Gelöst werden soll auch die Frage der Eisenbahnstrecke zwischen Belgrad und der montenegrinischen Hauptstadt Podogrica, die in einer kleinen Strecke in der Gemeinde Rudo über das bosnische Gebiet verläuft.

Zuletzt hatten bosnische Führungsmitglieder Belgrad im Jahre 2015 besucht. Damals war es dazu kurz nach einem Skandal bei der Gedenkveranstaltung zum 20. Jahrestag des von bosnisch-serbischen Truppen im Juli 1995 verübten Völkermordes an der bosniakischen Bevölkerung von Srebrenica gekommen. Vucic, welcher der Gedenkfeier als Serbiens Premier beiwohnte, war von Demonstranten von der Gedenkstätte in Potocari vertrieben worden.

Der Hauptverantwortliche für Srebrenica, Mladic, war kürzlich zu lebenslanger Haft verurteilt worden, sechs bosnische Kroaten, die sich der Kriegsverbrechen an Muslimen in Zentralbosnien schuldig gemacht hatten, kamen mit insgesamt 111 Jahren Haft davon. Der einstige Befehlshaber der kroatischen Truppen, Slobodan Praljak, beging Suizid im Gerichtssaal, nachdem sein Urteil verlesen worden war.