Tirol

A-cappella-Sextett „Viva Voce“: Sechs Stimmen in Harmonie

© Thomas Boehm / TT

Das A-cappella-Sextett „Viva Voce“ aus Telfs erobert mit Gesang von Klassik bis Moderne inzwischen große Säle. Eine Tiroler Erfolgsgeschichte, die sich immer besser anhört.

Von Philipp Schwartze

Innsbruck –„He shall be called“, ertönt ein klarer Tenor. „Wonderful Counselor, Almighty God“, antwortet es fünfstimmig. Weihnachtliche Stimmung erfüllt den Orchesterraum des BORG Innsbruck an einem dunklen Dezemberabend. Es sind die Proben des A-cappella-Sextetts Viva Voce vor dem nächsten Auftritt am 24. Dezember beim Familiennachmittag im Zeughaus.

„Gegründet haben wir uns 2011 als Gesangsquartett“, erzählt die 21-jährige Linda Stadlmayr. Alle vier kannten sich aus dem Kinderchor DO-RE-MI Telfs. Von der Gründung übrig geblieben sind Thurnwalder und die beiden Stadlmayr-Schwestern Linda und Jana. Die vierte Sängerin wechselte für ihr Studium nach München, Tenor Oliver Natterer, Alt Sarah Wegscheider und Bass Daniel Menczigar kamen 2014 hinzu. „Zu viert stößt man bei der Songauswahl irgendwann an Grenzen, zu sechst ist die musikalische Palette breiter“, erklärt Jana Stadlmayr (18). Jede Gesangsstimme ist so besetzt.

Das Repertoire der Oberländer Sänger ist umfassend, reicht inzwischen von alter Musik durch alle Epochen bis zur Moderne – und eben auch Weihnachtsliedern. „Wir versuchen dabei lässige Versionen zu finden“, sagt Bariton Lukas Thurnwalder (21).

Ab und zu gesellen sich bei der Probe noch einzelne Klaviertöne zum sechsstimmigen Gesang, denn bei Proben braucht es anfänglich noch etwas Rückhalt eines Instruments, bevor es beim Auftritt dann nur der pure Klang der Stimmen ist, der die Zuhörer begeistern soll. „Das war zu schnell“, ruft einer, kurz nachdem das Stück abrupt endet. Feinschliff am Gesang, am Tempo, schließlich wollen sechs Stimmen aufeinander abgestimmt sein.

Trotz ihres jungen Alters sind alle sechs äußerst gesangserfahren. „Wir haben alle lange Gesangserfahrung, haben in Kinderchören gesungen, sind all im Landesjugendchor“, sagt Thurnwalder. Doch es sei nicht nur die Musik, die sie verbinde, sondern vor allem auch Freundschaft.

Das macht Diskussionen über die Songauswahl, die bei sechs Menschen ohne einen klaren Anführer oder externen Leiter aufkommen müssen, einfacher. „Jeder kann ehrlich seine Meinung sagen. Das ist wichtig“, sagt Bass David Menczigar (19). „Wir sind eine lebhafte Gruppe“, lacht Jana Stadlmayr. Darum auch der Name: Viva Voce, italienisch für „lebhafte Stimmen“.

Ganz ohne Hilfe müssen die sechs Tiroler aber nicht auskommen: Zu Beginn half Irina Golubkowa vom Telfer Gesangsstudio DO-RE-MI, jetzt fungiert der Leiter des Tiroler Landesjugendchors, Oliver Felipe-Armas, als Unterstützer, Coach und Mentor.

Abgesehen davon sind die Viva Voce unabhängig, orga­nisieren Proben selbst. „Wir proben sehr punktuell auf Auftritte hin. Kurz davor intensiv, drei mal die Woche“, sagt Thurnwalder. Neben ihren anderen musikalischen Proben, etwa mit dem Chor. „Im Chor macht es nichts, wenn man kein Solo singen kann, bei einem Sextett aber hat jeder einmal ein Solo“, sagt Thurnwalder.

Kürzlich haben sie ihr erstes selbstorganisiertes Konzert gegeben. Das Interesse und die Begeisterung waren dann, obwohl sie durchaus wissen, was sie können, überraschend. 200 Zuhörer kamen. „Wir haben da so drauf hingearbeitet“, sagt Jana Stadlmayr. „Die Aufregung kam bei mir erst drei Minuten vor dem großen Auftritt“, ergänzt Wegscheider. Doch aller Aufregung zum Trotz, das Publikum war nach dem mehr als einstündigen Auftritt mit bunt gemischten Songs aus allen Epochen begeistert. „Es gibt einem viel zu wissen, dass so viele Leute da sind“, meint auch der Jüngste im Bunde, Tenor Oliver Natterer. Eigene Konzerte wollen sie öfter machen, auch wenn ihnen das Singen auf Hochzeiten oder bei Veranstaltungen auch Spaß macht.

Große Ziele haben sie durchaus, wie ihnen bei der Probe zwischen zwei Songs zu entlocken ist. „Aber es geht Schritt für Schritt. Das eigene Konzert war so ein Ziel“, sagt Jana Stadlmayr. Von der eigenen CD darf geträumt werden, auch wenn es das Budget zurzeit nicht zulässt. Bodenständig wirken sie ohnehin.

Einen Beruf, der zumindest mit Musik zu tun hat, streben alle an. „Und wenn wir vom Gesang leben könnten, wäre das auch nicht schlecht“, meint Jana Stadlmayr mit einem Augenzwinkern.

Zu den Vorbildern zählen The King’s Singers aus Großbritannien, ebenfalls ein Sextett. „Weil die viel selbst schreiben“, erklärt Jana Stadlmayr. Etwas, das durchaus auch noch auf dem Plan der Viva Voce steht. Auch Maybebop, ein deutsches A-cappella-Quartett, begeistert die sechs Tiroler. Bald nehmen sie an einem Workshop mit den Deutschen teil – Proben und Weiterlernen ist wichtig. Und so stimmen die sechs bei der Probe „Mary’s Boy Child“ an, am 24. Dezember soll das Lied lebhaft erklingen.