MSF: Kämpfe behindern medizinische Versorgung im Jemen
Sanaa/Wien (APA) - Wegen der vor einigen Tagen ausgebrochenen Kämpfe ist die Lage in der jemenitischen Hauptstadt auch bezüglich der medizin...
Sanaa/Wien (APA) - Wegen der vor einigen Tagen ausgebrochenen Kämpfe ist die Lage in der jemenitischen Hauptstadt auch bezüglich der medizinischen Versorgung dramatisch. Wie der Einsatzleiter von „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) im Jemen, Djoen Besselink, am Dienstag der APA telefonisch aus Sanaa berichtete, gebe es Versorgungsengpässe bei medizinischen Gütern und Patienten könnten oft nicht in Spitäler gebracht werden.
Insgesamt sei „Ärzte ohne Grenzen“ in zehn verschiedenen Einsatzorten im Jemen tätig, so Besselink. Einige dieser Orte befänden sich nahe an den Frontlinien. Seine Organisation versuche, mit den verschiedenen Bürgerkriegsparteien Vereinbarungen zu treffen, damit Spitäler von Kampfhandlungen verschont blieben. Man verhandle dazu mit Houthis, Stammesführern oder Ministern der Exilregierung. Leider würden diese Abmachungen oft nicht respektiert und Spitäler in Mitleidenschaft gezogen.
Auch die Sicherheit der etwa 2.000 jemenitischen MSF-Mitarbeiter sei ständig bedroht, „wir haben schon einige Kollegen verloren“, klagte der Niederländer. Die internationalen Mitarbeiter dagegen würden kommen und gehen. Sie seien in relativ geschützten Wohnungen untergebracht sein. Trotzdem sei die Situation insgesamt äußerst belastend. Viele Spitäler seien geschlossen, das Personal werde nicht bezahlt. Dazu kämen zahlreiche Luftangriffe der Saudi-geführten Militärallianz, die die Houthi-Rebellen bekämpft.
Über die weitere politische Entwicklung im Jemen wollte Besselink keine Spekulationen anstellen. Er fürchte aber, dass auf jeden Fall eine Menge für den Wiederaufbau des Landes getan werden müsse.
Am Dienstag herrschte in Sanaa nach der Eskalation der Gewalt in dem Bürgerkriegsland gespannte Ruhe. Zuvor hatte es heftige Kämpfe gegeben, nachdem das Bündnis zwischen den schiitischen Houthi-Rebellen und den Anhängern von Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh - der am Montag getötet wurde - zerbrochen war. In Sanaa brach dadurch die humanitäre Hilfe völlig zusammen.