Deutsche Frauen und Geringverdiener bei Rente massiv benachteiligt
Paris/Berlin (APA/AFP) - Deutsche Frauen und Geringverdiener werden bei der Pension massiv benachteiligt, zeigt eine Studie der Organisation...
Paris/Berlin (APA/AFP) - Deutsche Frauen und Geringverdiener werden bei der Pension massiv benachteiligt, zeigt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die am Dienstag in Berlin und Paris veröffentlicht wurde. Die Linkspartei sprach von einem „Skandal“. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und der Sozialverband VdK riefen die künftige Bundesregierung zum Handeln auf.
Was die Frauen angeht, belegt die Bundesrepublik unter den 35 OECD-Ländern einen traurigen letzten Platz: Nach der Untersuchung „Renten auf einen Blick 2017“ erhalten Frauen in keinem Mitgliedstaat so wenig staatliche Rente im Vergleich zu Männern. Sie haben noch im Durchschnitt nicht einmal halb so viel Rente wie die Männer. Das Risiko für Altersarmut sei damit „besonders hoch für deutsche Frauen“.
Aussicht auf Besserung gibt es laut OECD derzeit nicht: Da viele deutsche Frauen in Teilzeit arbeiteten, werde die Rentenerwartung in Deutschland „wahrscheinlich weiter hinter der der Männer herhinken“, schreiben die Autoren.
Auch Geringverdiener sind laut der Studie überdurchschnittlich benachteiligt: Sie erhalten in Deutschland im Schnitt 55 Prozent ihres früheren Lohns aus der Rentenkasse, während es im OECD-Schnitt 73 Prozent sind, also 18 Prozentpunkte mehr.
Die Linkspartei sprach von einer „Bankrotterklärung für die Rentenpolitik in Deutschland“. Der Parteivorsitzende Bernd Riexinger erklärte: „Die systematische Benachteiligung von Geringverdienern und Frauen bei der Rente ist ein Skandal.“ Die SPD trage dafür eine erhebliche Mitverantwortung, da sie an den Rentenkürzungen beteiligt gewesen sei.
Schlechter als in Deutschland stehen die Rentner laut OECD nur in Mexiko, Polen, Chile, dem Vereinigten Königreich und Japan da. Die künftigen deutschen Pensionäre können laut der Untersuchung im Schnitt vom Staat nur 51 Prozent ihres Nettoverdienstes erwarten, im OECD-Durchschnitt sind es 63 Prozent.
Von Altersarmut sind laut der Studie aber auch neue Gesellschaftsgruppen betroffen: Dies gelte vor allem für Selbstständige, die in neuen Arbeitsformen wie dem sogenannten Crowdworking arbeiteten. Dabei vergeben Firmen einzelne Arbeitsaufträge über Internetbörsen. Aber auch Alleinerziehende mit Lücken in ihrer Erwerbsbiographie seien massiv benachteiligt.
Die OECD rät der deutschen Bundesregierung deshalb zu einem „einheitlichen Rentenrahmen für Angestellte des privaten Sektors, Beamte und Selbstständige, wie er in den meisten anderen OECD-Ländern existiert“.
~ WEB http://www.oecd.org/ ~ APA506 2017-12-05/18:38