aktionstheater ensemble tanzte in Dornbirn „beschwingt nach rechts“
Dornbirn (APA) - Sie tanzen, sie streiten, die reden über Pinguine, sie machen schlechte, teils rassistische Witze und heucheln dem Publikum...
Dornbirn (APA) - Sie tanzen, sie streiten, die reden über Pinguine, sie machen schlechte, teils rassistische Witze und heucheln dem Publikum vor, dieses könne mitreden. Mit „swing - dance to the right“, das am Dienstag am Spielboden in Dornbirn erstmals aufgeführt wurde, übt das aktionstheater ensemble Kritik an der politischen Situation im Land. Der „Rechtsschwung“ ist allerdings etwas zu unterhaltsam geraten.
Trotzdem ist „swing - dance to the right“ ein kurzweiliges, sehr gut gespieltes Theaterstück, und vor allem die darstellerische Leistung wurde vom Publikum mit heftigem Applaus und Standing Ovations belohnt. Zu Beginn darf das Publikum - nur die erste Reihe - durch Abgabe eines Stimmzettels mitbestimmen, was sie sehen wollen. In Wirklichkeit dürfen sie das aber natürlich nicht, sondern das Publikum wird Zeuge, wie die Stimmzettel eingesammelt und anschließend weggeworfen werden. Danach folgt eine Mischung aus Sprache, Musik und vor allem Tanz.
Idee, Konzept und Regie verantwortet Martin Gruber. Er gibt seinen Darstellern sehr viel Raum, um ihre Figuren zu entfalten. Das fantastische Ensemble weiß diesen Raum auch zu nutzen. Die Darstellung ist kraftvoll, losgelöst und voller Leidenschaft. Da gibt es zum Beispiel den Eitlen (Nicolaas van Diepen), der am liebsten über seine Haarpflege redet, die Naive (Isabella Jeschke), die sich von einem Unbekannten vor der Webcam auszieht und dann mit heruntergelassenen Hosen herumrennt, oder die Ältere (Susanne Brandt), die dauernd ihren BH herzeigt. Die weiteren Mitglieder des Schaupielteams sind: Michaela Bilgeri und Martin Hemmer. Sie alle überzeugen auf ganzer Linie.
Die Musik von Andreas Dauböck bildet ein Highlight des Abends. Gesanglich „top“ liefert er passende Soundeffekte und ist ein kongenialer Partner für die Darsteller. Gerade bei so einem eingespielten Team hätte man sich in der Zusammenarbeit mit Regie und Dramaturgie trotzdem etwas mehr Schärfe beim Text gewünscht. Eine Geschichte mit Pinguinen, garniert mit ein paar rassistischen Witzen und kurzen Erwähnungen von Petri und Nazis - das alles kommt am Ende doch eher milde daher und hinterlässt beim Zuschauer kaum Ansatzpunkte für weitere Auseinandersetzungen.
Im Anschluss an die Premiere gab es noch eine Überraschung für Dramaturg und Produktionsleiter Martin Ojster. Martin Gruber bedankte sich bei ihm für 20 Jahre Zusammenarbeit und lobte bei dieser Gelegenheit seine Gelassenheit und sein Durchhaltevermögen. Mit einer musikalischen Einlage von Freunden des Ensembles wurde der Jubilar geehrt. Das Aktionstheater wurde 1989 von Martin Gruber gegründet und erhielt 2016 für „Kein Stück über Syrien“ den Nestroypreis für die beste Off-Produktion.
(S E R V I C E - „swing - dance to the right“, von Martin Gruber und aktionstheater ensemble, Uraufführung. Weitere Vorstellungen: 7., 8., 9. 12. 2017, jeweils 20.30 Uhr. www.spielboden.at, Tel. 05572 21933. Premiere in Wien: 11. Jänner 2018, 19.30 Uhr, WERK X (Oswaldgasse 35A, 1120 Wien), www.aktionstheater.at)