Tirol

Wenn Krippenbauer gemeinsam Berge versetzen

Viele Bastler bauen Bauernhäuser, in denen sie die Krippenfiguren aufstellen. Auch Tonkrüge werden immer beliebter.
© Lea Rizzi

Krippenbauer nennen die Landschaft schlicht Berg. Kurse boomen. Die TT hat Bastlern in Götzens zugeschaut. Die Kreativität und Liebe zum Detail sind grenzenlos.

Von Alexandra Plank

Innsbruck — Die Kreativwerkstatt des Krippenvereins Götzens befindet sich im Keller der Volksschule. Schon beim Eingang in den Raum steht eine große Krippe. Sie fällt unter die Kategorie „Noch in Arbeit!" und gehört Günther Reinalter, dem Krippenbaumeister. Er hat unlängst seine Stube umgebaut, und da muss natürlich auch die Krippe angepasst werden, sprich mitwachsen.

Diese Krippe ist symbolisch für die Leidenschaft der 20 Kursteilnehmer. Das Basteln der eigenen Krippe, schon im Hochsommer wird damit begonnen, wächst sich zur Sucht aus. Seit 1991 werden in Götzens Krippenbaukurse angeboten. 479 Personen nahmen teil, 570 Krippen sind entstanden, 19 alte Krippen wurden restauriert. Von einem neuen Boom will Reinalter aber nicht sprechen. „Die Krippe war eigentlich immer populär", sagt der Experte. Langsam treffen die Kursteilnehmer ein. Es zeigt sich, dass es eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt, einen Berg zu gestalten. „Grundsätzlich muss man sich zwischen einer orientalischen und einer Tiroler Krippe entscheiden", erläutert der Kursleiter. Wobei er keinen Zweifel daran lässt, wofür sein Herz schlägt: „Die Weihnachtsgeschichte hat sich im Heiligen Land zugetragen, daher ist die orientalische Krippe das Ursprüngliche."

Krippenbauen ist Detailarbeit. Hansi Nagl zeigt hier, wie die Schindeln für die Häuser gemacht werden.
© Lea Rizzi

Für viele Krippenbauer ist wichtig, dass der Berg gut verstaut werden kann. Ein Bastler hat mit einer Kofferkrippe die ideale Lösung gefunden. Nun wird die Beleuchtung installiert. Ob sich schon einmal jemand elektrisiert habe, will ich wissen. „Das hat nur 12 Volt", sagt der Handwerker lachend. Dennoch sind alle Kursteilnehmer speziell versichert, denn das Hantieren mit Bohrer, Laubsäge und Schnitzmesser ist nicht ungefährlich. Das Krippenbauen ist aber keine reine Männersache. Auch einige Frauen wollen ihr ganz individuelles Prachtstück schaffen. Auch Paare bauen gemeinsam mit großer Hingabe an ihren Krippen. Bei allen Bergen besticht die Liebe zum Detail. Bei einer Tiroler Variante gibt es nicht nur ein Plumpsklo mit Herz-Guckloch, sondern auch noch eine kleine Klopapierrolle.

Sägemehl wird mit der Wiege zerkleinert, es wird auf die Dächer aufgetragen und sorgt mit einer Beize dafür, dass die Gebäude den Anschein erwecken, alt zu sein.
© Lea Rizzi

Besonders beliebt sind auch Stiefler, jene Holzstangen, auf die man Heu zum Trocknen gibt. „Eigentlich haben die im Mittelgebirge fünf Zacken, aber mit vier Zacken sind sie auch okay", sagt Meister Reinalter. Hansi Nagl hat neben seinem Bauernhaus einen Backofen nach dem Vorbild eines bestehenden Ofens in Grinzens gebaut. Bevor die Teilnehmer beginnen, ihre Ideen umzusetzen, schaut sich Reinalter bei ihnen zuhause an, wo die Krippe hin soll. Dann sind er und seine vier Helfer vor allem bei der Perspektive und den Proportionen behilflich.

Zeugwart Manfred Baumann und Krippenbaumeister Günther Reinalter unterstützen die Kursteilnehmer.
© Lea Rizzi

Doch nicht nur die Liebe zum Detail ist entscheidend, auch der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Beliebt sind seit Kurzem riesige Tonkrüge, die zu Krippen umfunktioniert werden. Diese müssen von den Bastlern selbst in Italien besorgt werden. Das Material wird ansonsten vom Krippenverein gestellt. Manfred Baumann ist Materialwart. Er ist im Wald immer mit einer Säge unterwegs. „Es gibt keinen Ausflug, von dem ich nicht mit Material zurückkomme", erzählt er lachend. Begehrt ist Hirschhoardrich, der ab 2000 Metern und nur im Urgestein wächst und für den Bau von Bäumen verwendet wird. Viele Kniffe werden beim Kurs vermittelt. Die Gebäude brauchen eine gewisse Patina, die durch das Streuen von Sägemehl und eine besondere Beize erzielt wird.

Ob jung oder alt, Mann oder Frau, zweimal die Woche sind die Hobby-Handwerker stundenlang zusammengesessen und haben an ihrem Schmuckstück gearbeitet. Der 12-jährige Valerian ist der Jüngste. „Ich arbeite mit meinem Papa, das ist eine Art Modellbau und spannend", erzählt er. Die Stimmung ist gelöst: Die Teilnehmer freuen sich über Fortschritte und helfen einander weiter, wenn es „fuxt".

Die Ergebnisse sind heute, 10. Dezember, (9.30 bis 18 Uhr) im Keller der Volksschule Götzens zu sehen.

Hier sieht man eine kleine Klopapierrolle. Sie hängt bei einer Tiroler Krippe neben dem Plumpsklo mit Herz-Guckloch.
© Lea Rizzi

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