Innsbruck

Italiener-Ansturm: Ohne Markt in Tirol kein echtes Weihnachten

© Michael Kristen

Schon zu Mittag stieß das Busleitsystem am Samstag in Innsbruck an seine Grenzen. Die Italiener stürmten die Christkindlmärkte.

Von Alexandra Plank

Innsbruck –Großes Rätselraten auf Italienisch im Linienbus M, der am Innrain im Stau steht. An welcher Haltestelle sollen wir aussteigen, um am schnellsten in die Altstadt zu gelangen? Beim Terminal am Marktgraben verlässt die Privatgruppe dann den Bus. Und folgt einfach den anderen Gruppen von Italienern, die sich Richtung Goldenes Dachl wälzen. Heute sieht man auf den verstopften Straßen viele I-Kennzeichen und viele I-Länderzeichen. Doch die meisten Italiener reisen mit Bussen an, so an die 150 Schwerfahrzeuge sind Samstagmittag schon in der Alpenmetropole angekommen.

Seit Jahren existiert in Innsbruck ein ausgeklügeltes Busleitsystem für dieses Adventwochenende, rund um den Feiertag Maria Empfängnis kommen traditionell besonders viele Italiener nach Innsbruck. Andreas von der Innsbruck Information erzählt uns, dass es sogar Gruppen gibt, die vom Süden Italiens anreisen. „Sie nehmen meistens Christkindlmärkte in Südtirol mit und fahren nach Bayern weiter.“

Verkehrspolizist Andreas Speiser weist mit seiner Kollegin die Busse in den Parkplatz hinter dem Hofgarten ein. Unterstützung erhalten sie von einem Hospitanten, einem italienischen Carabiniere. Sorgenvoll schaut Speiser auf die Uhr und die noch verbleibenden Freiflächen. „Heute könnte es eng werden, es ist erst halb eins und die meisten Plätze sind schon voll.“

Die Gäste plagen solche Probleme nicht, sie sind bestens gelaunt. Untergehakt spazieren sie durch den Hofgarten und stimmen „White Christmas“ auf Italienisch an. In der Altstadt sorgt die Erasmus-Studentin Cerena Tonella dafür, dass ihre Landsleute sich zurechtfinden. „Italiener brauchen viel Betreuung, sie reden sehr gerne und freuen sich, wenn sie mich treffen.“

Was den Italienern am Innsbrucker Christkindlmarkt gefällt, wollen wir wissen. „Die ganze Atmosphäre. Ohne einen Besuch am Christkindlmarkt in Innsbruck ist das für uns kein richtiges Weihnachten“, erzählt Frederike. Sie und ihr Mann kommen aus Genua und sind heute Morgen aus Sterzing mit dem Auto angereist.

Bei den Italienern variiert die Kleidung je nach Herkunft. „Je weiter südlich die Besucher wohnen, desto weniger sind sie auf die Kälte eingestellt“, weiß Andreas. Da sieht man schon kurze Röcke und Kniestrümpfe in Halbschuhen neben Pelzjacken und Moonboots. Der 9-jährige Riccardo ist mit seiner Mutter heute aus Verona angereist, am gleichen Tag um 16 Uhr fährt der Bus wieder Richtung Heimat. Der Bub ist gut in einen Skianzug eingepackt. „Ich mag das Klima hier“, sagt er. Ob es nicht frostig sei? Es hat Minusgrade. „Kalt ist gut“, sagt der Bub und strahlt.

Gut eingepackt sind die Kleinsthunde, die in Wollmäntelchen in Handtaschen mitgenommen werden. „Amore“, sagt die Besitzerin und winkt dem Hündchen namens Joia. Und ich schwöre, es hat für das Foto gelächelt.

Für Sie im Bezirk Innsbruck unterwegs:

Renate Perktold

Renate Perktold

+4350403 3302

Verena Langegger

Verena Langegger

+4350403 2162

Michael Domanig

Michael Domanig

+4350403 2561