Bezirk Kitzbühel

Ein historischer Blick auf die Stadt Kitzbühel

© Angerer Harald

Kitzbühels Museumsdirektor und Stadtarchivar Wido Sieberer zeigt in einem Stadtführer seine Stadt Kitzbühel und ihre Besonderheiten.

Von Harald Angerer

Kitzbühel –Er kennt Kitzbühel wie kaum ein anderer – Wido Sieberer ist Direktor des Museums Kitzbühel und Leiter des Stadtarchives. Er wurde in Kitzbühel geboren, studierte Alte Geschichte, Archäologie und Geschichte an der Uni Innsbruck und befasst sich mit der Geschichte, Kunst und Kultur seiner Heimat. Bereits 2008 hat er einen Stadtführer über Kitzbühel veröffentlicht, nun folgt die zweite Auflage.

Bei einem Stadtrundgang ließ er die TT einen Blick auf sein Kitzbühel werfen. Der Treffpunkt: vor dem Café Praxmair im Zentrum. „Das ist kein Zufall, das Prax ist ein gesellschaftlicher Treffpunkt seit den 1920er-Jahren“, schildert Sieberer.

Auf dem Weg zum Museum geht es zwischen der Katharinenkirche und dem Huberbräu von der Vorderstadt in die Hinterstadt. „Das Huberbräu ist auch noch so ein typisches Tiroler Wirtshaus, wo auch viele Einheimische zu finden sind“, erzählt Sieberer, um vor dem alten Finanzamt stehen zu bleiben. „Hier haben wir ein schönes Beispiel, welches das alte und das neue Kitzbühel miteinander verbindet. Hier hat ein reicher deutscher Unternehmer das Haus gekauft und renoviert. Das unterscheidet Kitzbühel von vielen alten Kleinstädten. In Kitzbühel wird in die alten Gebäude investiert“, erklärt er mit dem Zusatz: „Wie auch immer man zu dem Unternehmer stehen mag, ich möchte es auch nicht schönreden. Es gibt sehr wohl auch viele, die ein Haus in Kitzbühel nur als Investment sehen.“

In der Hinterstadt angekommen wirft Sieberer einen Blick auf das Casino. Hier sieht man an der Fassade die jahrhundertealte Geschichte der Stadt. Manifestiert sozusagen im Rathaus. „Den Bürgermeister hätte man schon vor 500 Jahren am selben Platz getroffen, denn so lange steht es schon hier“, erklärt Sieberer.

„Das Kirchbergertor allerdings ist hingegen sehr jung, das ist erst seit 170 Jahren hier. Vorher war die Stadt nur über das ehemalige Tor beim Tiefenbrunner und das Jochbergertor zugänglich“, erklärt der Museumsdirektor, bevor es zu einer weiteren Kitzbüheler Besonderheit geht, zu den so genannten „Schluf“. Der bekannteste davon ist der „Luggei-Schluf“, ein Durchgang in der Stadt. „Davon gibt es viele. Genau genommen ist die Stadt durchlöchert wie ein Schweizer Käse“, schmunzelt Sieberer. Das ermöglicht viele Varianten, durch die Stadt zu gehen, oder besser durch das „Stadtl“, wie es die Kitzbüheler nennen.

„Die Verkleinerungsform zeigt, dass die Kitzbüheler nach wie vor an ihrer Stadt hängen“, sagt Sieberer und weiter: „Das dürfte auch der Grund sein, warum die Altstadt baulich sehr gut erhalten ist“, erklärt Sieberer. Es gebe nur wenige Bausünden.

Kritisch sieht er die Entwicklung der Stadt. „Die Verbauung durch den Tourismus und die Zweitwohnsitzler hat schon lange Tradition in Kitzbühel“, schildert Sieberer. Schon vor über 100 Jahren habe es die ersten Zweitwohnsitze in Kitzbühel gegeben, wie die Villa Zurner. „Über die vergangenen 20 bis 30 Jahre hat es allerdings extrem zugenommen. Man muss sich jetzt schon fragen, ob man nicht an die Grenzen des Möglichen geht und es zu kippen beginnt und die Kitzbüheler abwandern“, gibt sicher Sieberer kritisch und schiebt nach: „Man muss schon aufpassen.“

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