Tirol

Krippe mit Osttiroler Ursprung

© Peter Unterweger

Ein Werk in der Wiener Leopoldskirche war lange Zeit nicht zuzuordnen. Nun steht fest: Es stammt vom Bildhauer Adrian Egger aus Prägraten.

Von Peter Unterweger

Wien, Prägraten –Auf eine besondere Kirchenkrippe ist die Pfarre St. Leopold im 2. Wiener Bezirk stolz. Infos über das Werk in den Pfarrunterlagen waren dürftig. Im Inventarverzeichnis stand zu lesen: „Künstler nicht eruierbar. Diese Figuren wurden zum Weihnachtsfest 1955 der Pfarre gewidmet.“ An anderer Stelle fand sich der knappe Hinweis „Arbeit eines Tiroler Bildhauers“. Figurenformen und künstlerische Bearbeitung ließen zwar darauf schließen, dass es sich um ein Werk des Bildhauers Adrian Egger 1908 –1978) aus Prägraten handelt. Die Bestätigung fehlte jedoch bislang.

Vor dem Aufstellen der Krippe wird ein Seitenaltar mit einem blauen Vorhang verdeckt und aufwändig mit Sternen verziert. Starke Männer bringen in massiven Holzkisten die Krippenteile aus dem Depot. „Ich stelle dann die Figuren jedes Jahr persönlich in den Krippenstall“, beschreibt Pfarrer Boleslaw J. Krawczyk die Zeremonie.

Den entscheidenden Beweis lieferte schließlich das Monogramm Adrian Eggers, das auf der Rückseite einer Skulptur zum Vorschein kam. Zufriedenheit herrscht beim Priester über den späten Nachweis der Herkunft des Werkes. Große Freude über diese definitive Spur zum Virgentaler Bildhauer zeigten auch die Osttiroler Kunstfreunde, die zum Krippenaufbau eingeladen waren.

Nicht ganz glücklich war der Pfarrer allerdings darüber, dass dem Jesuskindl im Laufe der Zeit einige Finger abhandengekommen sind. Abhilfe brachte der gebürtige Südtiroler Künstler Giovanni Rindler aus St. Virgil/Enneberg, der vor seinem Studium zum Bildhauer im Gadertal das Schnitzen erlernt hatte und erfahren im Restaurieren ist. Er behob den Mangel so professionell, dass dieser nicht mehr zu erahnen ist. Eine finanzielle Abgeltung seiner Arbeit lehnte er ab.

Bei der Mitternachtsmette wird die Skulptur des Christkindls auf dem Altar stehen. Nach dem „Stille Nacht“ trägt sie der Pfarrer in einem Rundgang durch die Kirche bis zum Seitenaltar, wo die Krippe aufgestellt ist. „Mit dem restaurierten Jesuskindl ist das nun wieder möglich“, frohlockt der Pfarrer.

Doch wie kam die Osttiroler Krippe in die Wiener Kirche? Das Gotteshaus befindet sich in Nachbarschaft des Wiener Augartens, des Domizils der Wiener Sängerknaben. Den Sommer verbrachten diese einst in Prägraten. Dort stand auch das Hotel „Wiener Sängerknabe“. Der Rektor, der die Sängerknaben hierher brachte, hatte gute Kontakte zur heimischen Bevölkerung und zu Künstlern im Tal. Es ist naheliegend, dass das Kunstwerk über die Verbindung der Sängerknaben mit Prägraten seinen Weg nach Wien fand.

In der Leopoldskirche bringt der Osttirol-Chor übrigens traditionell sein Adventkonzert zur Aufführung.

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Catharina Oblasser

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