Eventbranche leidet unter Angst vor Terror und Korruption
Wien (APA) - Die Eventbranche hat sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor gemausert. 2015 hat sie rund 140.000 Arbeitsplätze gesichert u...
Wien (APA) - Die Eventbranche hat sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor gemausert. 2015 hat sie rund 140.000 Arbeitsplätze gesichert und eine Bruttowertschöpfung von 8,9 Mrd. Euro ausgelöst, wie aus einer Studie des IHS im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich hervorgeht. Die Branche wächst. Allerdings bremsen die Angst vor Anschlägen und Unsicherheiten betreffend Compliance das Veranstaltergeschäft.
Ein allgemeines Stimmungsbild drückt derzeit auf die Umsätze der Branche: Zum einen schlummert in vielen die Sorge vor Terroranschlägen; zum anderen hegen viele Bedenken, bei der Einladung zu einer Veranstaltung unter Korruptionsverdacht zu geraten. „Das ist ein hartes Holz“, sagte der stellvertretende Obmann des Fachverbandes Freizeit- und Sportbetriebe in der Wirtschaftskammer Österreich, Gert Zaunbauer, am Mittwoch vor Journalisten in Wien. „Man will mit Korruption nicht einmal anstreifen - bei einer normalen Einladung schrillen schon die Alarmglocken.“
Zugleich geben die gesetzlichen Vorgaben zum Korruptionsschutz allen, die sich korrekt verhalten wollen, seiner Meinung nach zu wenig konkrete Orientierung. „Das ist ein Gesetz, das ganz schwammig ist“, kritisierte der Event-Experte. „Wir wollen mehr konkrete Zahlen ins Gesetz hinein.“ Konkret stößt er sich an drei Punkten: Nicht mit einem Euro-Betrag präzisiert ist eine „Bagatellgrenze“, bis zu der Einladungen bzw. Geschenke erlaubt sind, nicht näher definiert ist zudem wer genau ein „Amtsträger“ ist und weiters gerate mittlerweile jeder unter den „Generalverdacht“ zu mauscheln und es sich zu richten, der beispielsweise eine VIP-Lounge besuche. Die Folge: „Die Firmen trauen sich nicht, andere Firmen einzuladen.“ „Dieses Antikorruptionsgesetz ist für uns natürlich ein Hemmschuh“, bekräftigte Erik Kastner als Branchensprecher in der Wirtschaftskammer. „Die Branche hat das sehr getroffen“, so Zaunbauer.
Trotz der genannten Belastungen stehen die Zeichen der Branche weiterhin auf Wachstum. Die höheren Kosten für mehr Sicherheit auf Großevents zahlen letztlich die Kunden. „Die Tickets werden dadurch teurer“, so Zaunbauer. Mehr Sicherheit mache Kosten und das müsse auch wieder hereingespielt werden.
„Der Branche geht‘s gut, es gibt viele Veranstaltungen, den Agenturen geht‘s nicht schlecht und wir sind auf dem Weg internationale Standards in Österreich zu erreichen“, so Kastner. „Wir sind nicht mehr ‚die Eventler‘, wir sind Profis“, sagte er auch im Hinblick auf die Ausbildung zum Eventmanager, die mittlerweile auf Fachhochschulniveau angeboten werde. „In den 90ern haben wir noch „learning by doing“ gehabt.“
Für Veranstaltungen haben Unternehmen, öffentliche Einrichtungen wie etwa Gemeinden und Eventagenturen 2015 laut Studienautor Alexander Schnabl österreichweit 6,37 Mrd. Euro an Ausgaben bzw. Umsätzen verbucht. 2010 waren es (auf damaliger Preisbasis) erst 5,58 Mrd. Euro. Hinzu kommen die Ausgaben von Touristen, die in Österreich Veranstaltungen besuchen, für Beherbergung etc., die sich zuletzt auf 2,1 Mrd. Euro (2010: 2,5 Mrd. Euro) beliefen. „Mit 3,5 Mrd. Euro Rückflüssen an Steuern sind wir auch ein erheblicher Finanzfaktor für den Bund und die Gemeinden“, betonte Kastner. Die Branche setze sich zu 90 Prozent aus Einpersonen- und Kleinunternehmen zusammen.