Olympia: Witali Mutko - Olympia-Paria als Chef der Fußball-WM
Moskau (APA) - In Russland ist Witali Mutko der mächtigste Sport-Funktionär. International ist der Vizeregierungschef nicht erst wegen seine...
Moskau (APA) - In Russland ist Witali Mutko der mächtigste Sport-Funktionär. International ist der Vizeregierungschef nicht erst wegen seiner Olympia-Verbannung durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) am Dienstag, drei Tage vor seinem 59. Geburtstag, ein umstrittener Mann. Obwohl Mutko lebenslang von Olympia ausgeschlossen wurde, bleibt er Chef des Organisationskomitees der Fußball-WM 2018 in Russland.
Mutko war im April 2005 Politiker in St. Petersburg und enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin, als er nach einer Schlammschlacht zum Präsidenten des russischen Fußball-Verbandes (RFS) gewählt wurde. Diese Funktion hatte er zunächst bis 2009 inne. Im Jahr 2008 stieg Mutko weiter auf und löste Eishockey-Ikone Wjatscheslaw Fetisow als Sportminister ab. Es folgte 2009 die Wahl ins Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbands FIFA und 2011 die Übernahme des Vorsitzes im Organisationskomitee der Fußball-WM. Dazu ist er seit 2015 ist der Multi-Funktionär nun auch wieder RFS-Präsident.
Im Zuge des Dopingskandals rund um die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi geriet Mutko aber gehörig ins Zwielicht. Dem Sportminister wurde maßgebliche Beteiligung am russischen Staatsdoping vorgeworfen. Im Bericht des kanadischen Juristen Richard McLaren, Ermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), aus dem November 2015 wurde Mutko vorgeworfen, er habe angeordnet, „bestimmte Dopingproben zu manipulieren“, um Russlands Erfolg bei den Heimspielen zu garantieren. Der umstrittene Funktionär und Politiker trat daher im Oktober 2016 nach acht Jahren als Sportminister zurück, behielt aber seine weiteren Sport-Funktionen und wurde zum Vize-Regierungschef hochgelobt.
Erst im vergangenen Mai reagierte der Fußball-Weltverband auf den McLaren-Bericht: Mutko wurde wegen seiner diversen politischen Ämter eine erneute Kandidatur für das FIFA-Council von der Governance Kommission der FIFA untersagt, als OK-Chef der WM blieb er aber im Amt. FIFA-Chef Gianni Infantino hielt unverändert am Russen fest und deutete auch keine Änderung nach dem nun erfolgten lebenslangen IOC-Bann gegen Mutko an.
Dabei hatte die Staatsdoping-Diskussion bereits im Sommer beim Confed Cup auch Russlands Fußball erreicht, als Anschuldigungen um das WM-Team von 2014 laut geworden waren. „Doping wird bei uns nicht toleriert. Es gibt kein staatliches Programm der Dopingorganisation“, beteuerte Mutko damals. Der umstrittene Politiker suggerierte eine Medien-Kampagne gegen sein Land. „Wenn ich einen russischen Tanz vor ihnen aufführe, hören sie dann auf, diese Fragen zu stellen?“, antwortete er Journalisten auf Doping-Fragen, die er sich nun weiter wird gefallen lassen müssen.