Schriftsteller Heinrich Böll rief RAF in Brief zu Gewaltverzicht auf
Hamburg (APA/AFP) - Der Schriftsteller Heinrich Böll hat in einem Brief an den RAF-Mitbegründer Horst Mahler 1972 für einen Gewaltverzicht d...
Hamburg (APA/AFP) - Der Schriftsteller Heinrich Böll hat in einem Brief an den RAF-Mitbegründer Horst Mahler 1972 für einen Gewaltverzicht der linksextremistischen Terrorgruppe geworben. Dies berichtete die Wochenzeitung „Die Zeit“ am Mittwoch vorab unter Berufung auf einen zumindest in der breiten Öffentlichkeit bisher nur wenig bekannten Brief des Literaten.
„Das Streben zur eigenen Freiheit darf die Freiheit der anderen nicht gefährden“, schrieb Böll demnach an den zu jener Zeit im Gefängnis sitzenden Anwalt, der an der RAF-Gründung beteiligt war. Die Gewalttaten der Gruppe machten ihm Sorge, hieß es dem Bericht zufolge darin. „In unserer heutigen westlichen Welt gibt es keine Vorbedingungen für eine Revolution solcher Art.“
Der Brief gilt deshalb als interessant, weil Böll zu jener Zeit mitunter vorgeworfen wurde, die RAF zu verharmlosen. Grund war ein Artikel im Magazin „Der Spiegel“, in dem er 1972 die deutschen Medien und vor allem die „Bild“-Zeitung für eine dramatisierende Berichterstattung über die Terrorgruppe kritisierte. Vor allem Konservative warfen ihm daher vor, mit der RAF zu sympathisieren.