Bezirk Landeck

Aus sieben Piannern werden „echte“ Tobadiller

© Reichle

Die Gemeinden Tobadill und Pians wollen ihre Gemeindegrenze verschieben. Zwei Wohnhäuser würden nach Tobadill wechseln.

Von Matthias Reichle

Pians, Tobadill –Andreas Hauser wohnt 130 Meter Luftlinie unterhalb des Tobadiller Gemeindeamts. Anders als seine Tobadiller Nachbarn, mit denen er Tür an Tür lebt, durfte er aber noch nie den Bürgermeister „seines“ Dorfes mitwählen oder gar selbst für das Amt kandidieren.

Der Fall ist durchaus kurios. Denn obwohl Hauser von sich und seinen Vorfahren als „Tobadiller“ spricht, ist er formal ein Pianner.

Dass das Pianner Ortszentrum außer Sichtweite 300 Höhenmeter tiefer im Tal liegt, spielt da keine Rolle. „Wir zahlen die Gebühren für das Wasser nach Tobadill, für den Kanal nach Pians“, schmunzelt Hauser über so manches kuriose Detail, das das Leben im Grenzbereich mit sich bringt. Die Linie, die die beiden Katastralgemeinden teilt, geht nämlich scharf zwischen den Häusern unter dem Tobadiller Ortskern durch.

Das hat auch Nachteile: Im Winter, wenn die in die Jahre gekommene Straße nach Pians gesperrt wird, müssen die Tobadiller „Pianner“ über Landeck fahren, um in ihrer Standortgemeinde vorbeizuschauen – eine Strecke von 9,3 Kilometern.

© Tiris

Insgesamt sieben Menschen sind von dieser Situation betroffen – sie leben in der einen Gemeinde, sind dort auch ins Vereinsleben eingebunden, gehören aber offiziell der anderen an.

Die Erklärung liegt knapp 70 Jahre in der Vergangenheit. Die Gemeinde Tobadill ist die jüngste des Bezirks Landeck. Als sie sich 1949 von Pians abspaltete, zog man die Grenze dicht am Dorfzentrum vorbei. Warum, darüber wundert sich auch der Bürgermeister Martin Auer. Selbst der Recyclinghof liegt derzeit auf Pianner Grund.

„1971 sind wir ins Haus eingezogen“, erläutert Hauser die Hintergründe. Seine Familie stamme aus Tobadill, man habe früher in einer Wohnung über dem Gemeindehaus gelebt. Dann bot sich das Grundstück als günstige Lösung für ein Eigenheim an.

Die Situation der Bewohner könnte sich demnächst aber ändern. Tobadill und Pians planen derzeit eine Korrektur ihrer Gemeindegrenzen, wie Dorfchef Auer bestätigt. Und die brächte neben anderen Vorteilen mit sich, dass die beiden betroffenen Wohnhäuser, die derzeit noch auf Pianner Grund stehen, nach Tobadill wechseln würden.

Über die Grenzziehung sei man sich in beiden Orten bereits einig. In Tobadill hatte man den Beschluss im Gemeinderat zuletzt aufgrund fehlender Unterlagen jedoch noch vertagt.

Auch in Pians wurde das Thema schon im Gemeinderat vorbesprochen. „Mir war wichtig, dass wir nicht kleiner werden“, erklärt auch der Pianner Bürgermeister Harald Bonelli. Die 1,8 Hektar, um die es bei der Grenzbereinigung geht, wurden 1:1 getauscht. Auch er spricht bei den sieben Bewohnern der beiden Häuser von „waschechten Tobadillern“. Bei ihm soll der notwendige Beschluss in den nächsten Monaten fallen.

Die Änderung einer Gemeindegrenze ist durchaus etwas aufwändiger, wie der Leiter der Gemeindeabteilung an der Bezirkshauptmannschaft Landeck, Andreas Walser, weiß: „Maßgebend sind die Beschlüsse der Gemeinderäte, es braucht aber auch den Beschluss der Landesregierung“, erklärt er. Wirksam wird die Grenzverschiebung deshalb frühestens am 1. Jänner 2019.

Für Walser ist die Situation der beiden Häuser an der Gemeindegrenze auch der geänderten Infrastruktur geschuldet. „Die verkehrsmäßige Erschließung von Pians aus hat sich total geändert.“

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