Pflege: Aktivist sieht neue Regierung bei 24-h-Betreuung gefordert
Wien (APA) - Der steirische Pflege-Aktivist Klaus Katzianka hat am Donnerstag die künftige Regierung zu Maßnahmen bei der 24-Stunden-Betreuu...
Wien (APA) - Der steirische Pflege-Aktivist Klaus Katzianka hat am Donnerstag die künftige Regierung zu Maßnahmen bei der 24-Stunden-Betreuung aufgefordert. Kernpunkt seiner - in ihren Grundzügen schon seit Jahren erhobenen - Vorschläge ist eine Anhebung des Pflegegeldes um 30 Prozent sowie eine jährliche Valorisierung. Außerdem sollen all jene, die 24-Stunden-Betreuung benötigen, in Pflegestufe 7 aufrücken.
Katzianka, von Geburt an auf Pflege angewiesen und selbst Betreiber einer Vermittlungsagentur für 24-Stunden-Betreuung in Leoben, nannte auf einer Pressekonferenz in Wien als einen der zentralen Punkte ein Bekenntnis zu strengeren Kontrollen und Richtlinien, wie es auch die Volksanwaltschaft gefordert hatte. Zur Durchführung der Kontrollen schlug Katzianka vor, dass diese durch die Hausärzte vorgenommen werden sollten. Denn diese würden die pflegebedürftigen Patienten am besten kennen.
Gleichzeitig brauche es aber auch ein „ehrliches Bekenntnis“ zur „selbstständigen Personenbetreuung“ seitens der Politik, was auch die privaten Anbieter umfassen müsse, so Katzianka. „Denn man kann nicht alle Pflegebedürftige in ein Heim stecken“, dies wäre auch gar nicht finanzierbar.
Als einziges taugliches Mittel sieht Katzianka die Erhöhung des Pflegegeldes. Mit der von ihm geforderten Anhebung um 30 Prozent würde ohnehin lediglich der Wertverlust seit dessen Einführung im Jahr 1993 ausgleichen werden, sagte er. Darüber hinaus will er auch eine jährliche Valorisierung des Pflegegeldes, das außerdem unbedingt als (einkommensunabhängige) Geldleistung erhalten bleiben soll. Den letzten Punkt will der Aktivist auch in der Bundesverfassung verankert sehen.
Außerdem schlägt Katzianka vor, dass jeder Pflegebedürftige, der eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung braucht, automatisch in die (höchste) Pflegestufe 7 kommt. Denn es mache keinen Sinn, wenn etwa demenzkranke Personen Pflegestufe zwei bekommen. „Damit wird er sich nie eine Pflegekraft leisten können.“
Finanziell tragen soll sich das Modell weitgehend selbst, so die Vorstellung des Agentur-Besitzers. Katzianka verwies darauf, dass eine Betreuung (durch eine selbstständige Betreuungskraft) zuhause pro Monat in etwa 2.000 Euro koste. Eine Pflege in einer stationären Einrichtung hingegen wäre mit 3.500 Euro deutlich teurer, was ein Einsparungspotenzial von 1.500 Euro pro Kopf und Monat ermögliche. Er geht davon aus, dass durch die verstärkte Inanspruchnahme der 24-Stunden-Betreuung der Anteil an stationärer Betreuung stark sinkt und damit österreichweit jährlich 1,5 Mrd. an öffentlicher Finanzierung eingespart werden könnten. Diese 1,5 Mrd. Euro würden „mehr als ausreichen“, das Pflegegeld nach seinen Vorstellungen zu stärken. Sollte die neue Regierung beim Pflegegeld weiter untätig bleiben, so werde er im kommenden Jahr versuchen, „das eine oder andere“ auch über den Rechtsweg zu erreichen.
Außerdem sprach sich Katzianka dezitiert gegen das Streichen der erhöhten Familienbeihilfe im Bereich der selbstständigen Personenbetreuung für ausländische Personenbetreuer aus. Auch eine Verdoppelung der staatlichen Förderung für Selbstständige und unselbstständige Personenbetreuer steht auf seiner Wunschliste.
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