Historische Differenzen überschatten Besuch Erdogans in Athen

Athen/Ankara (APA/AFP) - Überschattet von historischen Differenzen hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag einen Staa...

Athen/Ankara (APA/AFP) - Überschattet von historischen Differenzen hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag einen Staatsbesuch in Griechenland begonnen. Vor seiner Abreise stellte Erdogan den Vertrag von Lausanne von 1923 in Frage, der den Grenzverlauf zwischen den beiden Nachbarn regelt. Die Regierung in Athen reagierte verärgert und mahnte, der Besuch solle „Brücken bauen, nicht Mauern“.

In einem am Mittwoch gesendeten Interview sprach sich Erdogan dafür aus, den Vertrag von Lausanne neu zu verhandeln. Der Luftraum und die Seegrenze könnten „verbessert“ werden, sagte Erdogan dem griechischen Sender Skai TV. In dem Abkommen waren Griechenland 1923 praktisch alle Ägäis-Inseln vor der türkischen Küste zugeschlagen worden. Seitdem gibt es Streit um den genauen Verlauf der Grenze.

Der griechische Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos sagte am Mittwochabend, Erdogans Äußerungen gäben Anlass zu „ernster Besorgnis“ und würden Fragen aufwerfen. „Die griechische Regierung und der Ministerpräsident hoffen, dass der Besuch eine Gelegenheit ist, Brücken zu bauen, nicht Mauern“, sagte der Sprecher. Es ist der erste Besuch eines türkischen Staatspräsidenten bei dem NATO-Partner seit 1952.

Erdogan traf am Donnerstagvormittag am Flughafen von Athen ein, wo ihn Außenminister Nikos Kotsias empfing. Später will er Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos und Ministerpräsident Alexis Tsipras treffen. Erdogan war 2004 und 2010 als Regierungschef in Athen, aber noch nicht seit seiner Wahl zum Präsidenten 2014. Am Freitag will er in die nordgriechische Region Thrakien reisen, wo eine große türkische Gemeinde lebt.

Unter Erdogans Regierung hat sich das historisch schwierige Verhältnis zu Griechenland verbessert, und Erdogan unterhält gute Beziehungen zu Tsipras. Es bleiben aber Streitfragen, und an der umstrittenen Seegrenze gibt es regelmäßig Zwischenfälle zwischen Marineschiffen. Auch wirft Ankara dem Nachbarn vor, zahlreichen Beteiligte am gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 Zuflucht zu bieten.

Tsipras versicherte vor Erdogans Besuch, Putschverdächtige seien „nicht willkommen“ in Griechenland. Besonders brisant ist der Fall von acht Militärangehörigen, die nach dem Putschversuch in einem Helikopter nach Griechenland geflohen waren, wo sie Asyl beantragten. Erdogan beklagte in dem Interview am Mittwoch, Tsipras habe deren Auslieferung an die Türkei versprochen, doch sei dies noch immer nicht geschehen.