TV-Serien

Die Lücken von gefallenen Helden stopfen

© amazon prime

Wenn Serien ihre Zugpferde verlieren, stehen die Drehbuchautoren vor einem gehörigen Problem. Meistens hilft da nur noch der Tod.

Von Christiane Fasching

Innsbruck –„Guten Morgen!“– Es gibt spektakulärere Begrüßungen, doch als Patrick Duffy anno 1986 sein Serien-Alter-Ego Bobby Ewing diese zwei Worte sagen ließ, war das TV-Universum baff. Denn eigentlich war der gute Mann, der da quietschfidel unter der Dusche stand, ja tot – und zwar seit 31 Folgen.

Nach acht Staffeln „Dallas“ hatte Patrick Duffy genug vom Öl-Imperium gehabt und sich von den Drehbuchautoren einen heldenhaften Tod auf den Leib schreiben lassen. Für Serienliebe Pam (Victoria Principal) warf er sich vor ein Auto, um im echten Leben an seiner Holly­wood-Karriere zu feilen. Doch blöderweise wurde die kein großer Wurf und so bettelte Duffy alsbald um die Rückkehr auf die Southfork Ranch. Doch wie erweckt man einen Toten zum Leben? Ganz einfach: Bobbys Ableben und alle daran geknüpften Entwicklungen wurden zum Traum erklärt. Die Zuschauer schüttelten ob dieser dramaturgischen Frechheit zwar den Kopf, die Quoten schnellten aber in die Höhe.

30 Jahre später ist die Fernsehwelt diffiziler geworden – und haben schwerwiegende Missbrauchsvorwürfe Kevin Spacey um die Hauptrolle in „House of Cards“ gebracht. Der Netflix-Erfolg, in dem der Oscarpreisträger den skrupellosen US-Präsidenten Frank Underwood spielt, muss ohne sein Zugpferd in die finale sechste Staffel gehen, in der nun Claire Underwood (Robin Wright) die erste Geige spielen soll.

Aber wie komplimentiert man Mister Underwood jetzt elegant aus dem TV-Kartenhaus, ohne von Fans und Kritikern eine aufs Dach zu bekommen? Schließlich wurde „House of Cards“ bisher für seinen schlauen Plot und seine alles andere als abgeschmackte Erzählweise geschätzt. Fakt ist, dass der Dreh für die sechste Staffel schon einige Wochen lief, als der Spacey-Skandal publik wurde, Netflix die Reißleine zog und die Produktion auf Eis gelegt wurde. Dass bereits gedrehte Szenen mit dem in Misskredit geratenen Star nun als Füllmaterial für das Serienfinale verwendet werden, gilt als unwahrscheinlich. Aber totschweigen wird man Frank Underwood auch nicht können. Aus dem Weg räumen hingegen schon. In Fan-Foren wird bereits eifrig über mögliche Exodus-Szenarien diskutiert: Wird Underwood zum Opfer von Terroristen? Bringen ihn die Enthüllungen von Journalist Tom Hammerschmidt (Boris McGiver) hinter Gitter? Oder entledigt sich gar Claire Underwood, neuerdings US-Präsidentin, höchstselbst ihres lästig gewordenen Gatten? Wir werden es sehen. Im Jänner startet der Dreh für die letzten acht Folgen, in der man Underwood wohl höchstens noch von hinten sehen wird. Mit Spacey­s Gesicht lockt man nämlich niemanden mehr vor den Fernseher.

Indes müssen sich auch die Macher der Amazon-Prime-Serie „Transparent“ überlegen, wie sie mit ihrem preisgekrönten Wurf weitermachen. Seit 2014 spielt darin Jeffrey Tambor die Hauptrolle der transsexuellen Rentnerin Maur­a Pfefferman und heimste dafür einen Emmy und einen Golden Globe ein. Ende November wurden aber auch gegen den Emmy- und Golden-Globe-Preisträger Missbrauchsvorwürfe laut und galt es zunächst als wahrscheinlich, dass eine fünfte Staffel ohne ihn gedreht wird. Am Donnerstag ließ Tambor nun über seinen Sprecher klarstellen, dass er keinen Ausstieg plane. Die Letztentscheidung liegt nun bei Amazon Prime. Mit Charlie Sheen wurde 2011 indes kurzer Prozess gemacht: Chuck Lorre, der Schöpfer von „Two and a Half Men“, hatte genug von den Eskapaden des Bad Boys und ersetzte ihn durch Ashton Kutcher. Sheens Serienfigur Charlie Harper wurde vor die U-Bahn geworfen – zumindest glaubte man das bis zur allerletzten Folge, in der „der coole Onkel“ noch einmal zu sehen war. Allerdings nur von hinten. Dann fiel ihm ein Klavier auf den Kopf. Na dann: Gute Nacht!