Bieterwettkampf um spanische Abertis wird sich noch hinziehen

Düsseldorf/Mailand (APA/Reuters) - Im milliardenschweren Ringen um den spanischen Mautstraßenbetreiber Abertis sind Insidern zufolge weder d...

Düsseldorf/Mailand (APA/Reuters) - Im milliardenschweren Ringen um den spanischen Mautstraßenbetreiber Abertis sind Insidern zufolge weder der deutsche Baukonzern Hochtief noch der italienische Konkurrent Atlantia bereit, vorzeitig aufzugeben. Damit könnte sich der Bieterkampf noch lange hinziehen - und mit einer spanischen Besonderheit entschieden werden.

Denn am Ende des Bieterrennens würden zwei Offerte der beiden erbitterten Kontrahenten in versiegelten Umschlägen bei der spanischen Finanzaufsicht eingereicht. Der Bessere gewinnt dann.

Das Rennen um Abertis hatte Atlantia im vergangenen April eröffnet, als die Italiener Interesse an dem hoch profitablen Autobahn-Betreiber anmeldeten. Der Atlantia-Konzern, hinter dem die Familie Benetton steht, verfügt vor allem in der Heimat über Mautstraßen sowie Flughafen-Konzessionen und will sich mit Abertis neue Märkte in der Ferne erschließen. Atlantia scharte Banken um sich und legte eine Milliarden-Offerte für Abertis vor. Mitte Oktober folgte dann der Essener Hochtief-Konzern, der von seinem spanischen Großaktionär ACS unterstützt wird, mit einem eigenen Gebot. Mit einem rund 17,1 Mrd. Euro schweren Offert buhlen die Deutschen um Abertis - das Konkurrenz-Angebot Atlantias liegt Analysten zufolge auf vergleichbarer Basis bei rund 15,7 Mrd. Euro. Die spanische Börsenaufsicht CNMV nimmt die Details des Hochtief-Angebots derzeit unter die Lupe. Voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres dürfte die Prüfung beendet sein.

Dann könnte Atlantia wieder am Zug sein. Insider rechnen damit, dass die Italiener ihr Angebot noch einmal aufbessern. „Sie wollen gewinnen“, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Doch das gelte auch für Hochtief. „Für beide Unternehmen ist es absolute Priorität, das Bieterrennen zu gewinnen“, sagte ein anderer Insider. Und dazu könnten sie beide nachlegen. Die finanziellen Mittel stünden ihnen zur Verfügung. Atlantia, Hochtief und ACS wollten sich dazu nicht äußern.

Beendet die CNMV ihre Prüfung, tickt die Uhr. In den letzten fünf Tagen der 30-tägigen Annahmefrist können die Bieter dann ihre letzten und besten Gebote auf den Tisch legen - die versiegelten Umschläge kommen ins Spiel. Zuletzt wurde so 2006 eine Übernahmeschlacht unter spanischen Firmen entschieden. Auch damals war mit Europistas ein Mautstraßen-Betreiber Ziel der Bieter. Doch nun greifen zwei ausländische Konzerne nach einem spanischen Übernahmeziel.

Hochtief will mit einer Übernahme seine Wertschöpfungskette verlängern - der Essener Konzern könnte dann mit Abertis gemeinsame Projekte mit der öffentlichen Hand wie Maut-Autobahnen planen, bauen und betreiben. Abertis betreibt mautpflichtige Straßen und Autobahnen in Spanien und ist auch in Chile und Brasilien aktiv. Insgesamt umfasst das Straßennetz mehr als 8.600 Kilometer in 14 Ländern. Atlantia will zusammen mit Abertis das weltgrößte Mautstraßen-Unternehmen schmieden.

~ ISIN DE0006070006 WEB http://www.hochtief.de ~ APA326 2017-12-07/13:47