„Star Wars“: Darth Vader und Co im popkulturellen Gedächtnis

Wien/Hollywood (APA) - „Star Wars“ nicht zu kennen, scheint ein Ding der Unmöglichkeit. Dabei sind es keineswegs nur in den 1960er-Jahren ge...

Wien/Hollywood (APA) - „Star Wars“ nicht zu kennen, scheint ein Ding der Unmöglichkeit. Dabei sind es keineswegs nur in den 1960er-Jahren geborene Fans, die der mehrteiligen Science-Fiction-Saga von erster Stunde an verfallen sind. Wie kaum eine andere Kinoreihe hat die von George Lucas konzipierte Geschichte mehrere Generationen geprägt und sich letztlich ins (pop-)kulturelle Gedächtnis eingeschrieben.

Es waren nicht wenige, die 1977 in den ersten „Krieg der Sterne“-Film stolperten und mir offenen Mündern den Abenteuern von Luke Skywalker, Han Solo und Prinzessin Leia folgten. Aber zugegeben: Bis heute ist es schwer, dem Flair dieses Films zu widerstehen. „Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis...“ diente dabei nicht nur als einleitender Satz, sondern auch als doppelte Verortung. Immerhin ließ Lucas damit die Kinobesucher gleichermaßen einen historischen Aspekt wie den futuristisch aufgeladenen Hintergrund seiner Saga erahnen. Er lieferte Popcorn-Kino mit mythologischem Unterbau, bediente kommerzielle Unterhaltung gleichermaßen wie nerdiges Fantum.

Spätestens mit „Das Imperium schlägt zurück“ drei Jahre später und den erinnerungswürdigen Worten „Ich bin dein Vater“ hat sich dann die ganze Tragweite der Story offenbart: Mit dieser Verknüpfung seiner zwei zentralen Figuren, dem jungen Helden Luke und dem dunklen Widersacher Darth Vader, gelang Lucas eine emotionale Aufladung, die den Film auf eine neue Ebene hob. Bis heute gehört die entsprechende Sequenz, bei der sich Luke und Vader auf der Wolkenstadt im Kampf gegenüberstanden, zu einer der meistzitierten der Filmgeschichte.

Dabei stand und steht neben der Auseinandersetzung von Gut gegen Böse eigentlich eine Familiengeschichte im Fokus, die „Star Wars“ eine allgemeingültige und leicht nachvollziehbare Note verleiht. Die Geschicke des Skywalker-Clans bestimmen demnach das Geschehen in der Galaxis wesentlich mit. Und dass der Jedi-Orden, jene weit zurückreichende Verbindung von Kriegern für ein friedvolles Zusammenleben, maßgeblich mit der übersinnlichen Macht gekoppelt wird, trägt natürlich zum geheimnisumwobenen Charakter von „Star Wars“ bei - auch wenn diesem Aspekt in der Vorgeschichte einiges an Zauber abhandengekommen ist.

Denn der Kampf zwischen Jedi und ihren niederträchtigen Pendants, den Sith, zwischen Rebellion und Imperium, wurde nach der ursprünglichen Trilogie, die 1983 mit „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ abgeschlossen wurde, mit einem Prequel fortgeführt: Ab 1999 erfuhr man in den Episoden I bis III so etwa den Werdegang von Vader, zuvor als Anakin Skywalker noch Hoffnungsträger der Jedi. Und selbst wenn etliche Fans der klassischen Filme mit der vor digitalen Effekten strotzenden und besonders in „Die dunkle Bedrohung“ mit einigen der Massentauglichkeit geschuldeten Anbiederungen (Stichwort: Jar Jar Binks) aufwartenden neuen Trilogie hart ins Gericht gingen: Dem Erfolg tat dies keinen Abbruch.

Stattdessen hatte „Star Wars“ den Sprung in die nächste Generation geschafft. Noch immer verfügten die Figuren über genug Anziehungskraft, noch immer strahlte der Kampf von heller versus dunkler Seite der Macht so viel Faszination aus, dass die Premierenvorführungen gestürmt wurden und „Star Wars“-Fantreffen inklusive bunter sowie vielfältiger Kostümierung aus dem Boden schossen. Und selbst wenn man sich diesem Unterhaltungsimperium entziehen wollte, scheint das ob der Dauerbeschallung mit „Imperial March“ sowie allgegenwärtigen Merchandisingartikeln eigentlich bis heute kaum umsetzbar.

Ein Phänomen war in den vergangenen Jahren auch die Eroberung der Kinderzimmer: Dies war nicht nur diversen Lego-Sets und weiteren Spielzeugadaptionen bekannter Figuren und Raumfahrzeuge gedankt, sondern auch einer interessanten Strategie, was die Zeit zwischen den Filmen betraf. So erzählt etwa die Animationsserie „The Clone Wars“ in sechs TV-Staffeln die Geschehnisse zwischen „Angriff der Klonkrieger“ und „Die Rache der Sith“. Wenn den jungen Fans also ein Kinobesuch aus welchen Gründen auch immer verwehrt geblieben ist, waren Obi-Wan Kenobi und Konsorten auf diese Weise recht schnell dennoch ein Begriff.

Und nun geht es seit zwei Jahren wieder rund in der Galaxie: Lucas hat nach fast 40 Jahren sein eigenes Imperium an Disney veräußert, und der US-Unterhaltungsriese hat sichtlich kein Interesse daran, „Star Wars“ in Frieden ruhen zu lassen. Stattdessen durfte sich Erfolgsregisseur J.J. Abrams an die Wiederbelebung machen und führte 2015 mit „Das Erwachen der Macht“ die Geschichte der Familie Skywalker fort. Eine neue Bedrohung wurde mit der Ersten Ordnung schnell gefunden, und so formierte sich auch der Widerstand, um Maskenträger Kylo Ren und Konsorten entgegenzutreten.

Damit nicht genug, schloss im Vorjahr das Spin-off „Rogue One“ die Lücke zwischen Episode III und IV - und beantwortete nebenbei die Frage, wieso der Todesstern von Luke Skywalker damals mit einem gezielten Schuss so einfach zu eliminieren war. Während die neue Sequel-Trilogie die Haupterzählung vorantreibt, sind weitere Zusatzfilme geplant - kommendes Jahr etwa soll die Geschichte von Han Solo mit einem eigenen Kinoabenteuer gewürdigt werden. Und auch 2020 dürfte es damit weitergehen. Für Fans gibt es also sicherlich noch viel zu sehen.