Spanisches Ministerium greift in Rennen um Abertis ein

Madrid/Rom (APA/Reuters) - Die spanische Regierung mischt sich in den milliardenschweren Bieterkampf zwischen Hochtief und der italienischen...

Madrid/Rom (APA/Reuters) - Die spanische Regierung mischt sich in den milliardenschweren Bieterkampf zwischen Hochtief und der italienischen Atlantia um den Mautstraßen-Betreiber Abertis ein. Das Infrastrukturministerium in Madrid forderte die heimische Marktaufsicht CNMV auf, die Genehmigung des Kaufofferts von Atlantia für Abertis zu widerrufen.

Das Ministerium teilte der Behörde mit, sie hätte die Erlaubnis für das Gebot im Oktober nicht erteilen dürfen. Atlantia habe sich vorher nicht die Bewilligung der spanischen Regierung zur Übernahme der Kontrolle über Abertis‘ Satellitengeschäft Hispasat eingeholt. Auch der Baukonzern Hochtief bietet für Abertis. Die Finanzaufsicht CNMV prüft dieses Offert noch, mit einer Entscheidung wird Anfang 2018 gerechnet.

Die Regierung in Madrid sieht Hispasat als strategisch wichtig für das Land an, schließlich kontrolliert das Unternehmen die spanischen Kommunikationssatelliten. Abertis ist mit rund 57 Prozent an Hispasat beteiligt, die Regierung mit mehr als neun Prozent über öffentliche Unternehmen. Hispasat gehört allerdings nicht zum Kerngeschäft der Abertis-Gruppe, die Mautstraßen mit einer Länge von mehr als 8.600 Kilometern weltweit verwaltet. Atlantia hatte bereits angekündigt, sich von der Satelliten-Tochter zu trennen, wenn die spanische Regierung dies verlangen sollte. Auch Hochtief dürfte den Anteil nach früheren Angaben aus Finanzkreisen verkaufen, wenn sich der deutsche Konzern durchsetzt.

Die Börsenaufsicht CNMV hat nun einen Monat Zeit, um auf die Aufforderung des Ministeriums zu reagieren. Atlantia teilte in einer ersten Reaktion mit, sich stets an die spanische Gesetzgebung und die Anforderungen der CNMV gehalten zu haben. Das Unternehmen, hinter dem die italienische Benetton-Familie steht, sei jederzeit zu weiteren Gesprächen mit der Regierung in Madrid bereit. Atlantia wolle mit Abertis den weltgrößten Mautstraßen-Betreiber schmieden und die Abertis-Zentrale in Spanien belassen, warben die Italiener erneut für ihre Pläne.

Hochtief hatte im Oktober ein rund 17,1 Mrd. Euro schweres Offert aus Barmitteln und Aktien für Abertis vorgelegt. Das bisherige Atlantia-Angebot hat auf vergleichbarer Basis einen Wert von rund 15,7 Mrd. Euro. Beide Konzerne sind Insidern zufolge bereit, ihre Offerte - wenn nötig - noch einmal in die Höhe zu schrauben. Hinter Hochtief steht die spanische Konzernmutter ACS, deren Chef der Präsident des Fußballclubs Real Madrid, Florentino Perez, ist. Er gilt als bestens vernetzt in der spanischen Politik.

~ ISIN DE0006070006 WEB http://www.hochtief.de ~ APA181 2017-12-08/11:42