Teil 9

Gute Geschichte:,,Das Schönste ist, wenn ich Menschen helfen kann“

Seit November ist Manuel als Zivildiener in der Mentlvilla tätig.
© Caritas

Der Zivildiener Manuel Guem hat sich eine herausfordernde Tätigkeit ausgesucht – er begleitet Suchtkranke.

Innsbruck –„Ich hatte von Anfang an wenig Berührungsängste bei diesem Thema, da ich zuvor schon Menschen kannte, die selbst suchtkrank waren und ich außerdem der festen Überzeugung bin, dass jeder in die Drogen hineinschlittern kann“, sagt der 19-jährige Manuel Guem. Über den „Rundgang der Not“ der youngCaritas Tirol, bei dem Schulen Schauplätze der Not in Innsbruck besuchen, kam er erstmals in die Mentlvilla. Mit zwei Klienten führte seine Schulklasse damals ein Interview. „Sie erzählten uns von ihren ersten Drogenerfahrungen im Alter von zwölf Jahren – ich dachte mir nur: Wie haben die das überlebt? Sofort begann ich mich für das Thema zu interessieren“, erläutert der Einzelhandelskaufmann. Mit einem Zivildiener, den er von seinem Heimatort kannte, hat er sich über die Tätigkeit in der Mentlvilla unterhalten und entschloss sich schließlich, selbst in der Mentlvilla den Zivildienst zu absolvieren.

Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem das Waschen der Hauswäsche und die Unterstützung der Reinigungskraft sowie die Betreuung in der Anlaufstelle. Dabei ergeben sich auch viele persönliche Gespräche, die ein hohes Maß an Sensibilität erfordern: „Viele unserer Klienten haben wenig oder gar keinen Rückhalt in der eigenen Familie. Sie leben oft nur in den Tag hinein, fühlen sich wertlos, haben keine Arbeit und versuchen, mit Drogen ihre Probleme zu verdrängen. Meist konsumieren auch Freunde oder Lebenspartner, sodass man sich noch gegenseitig herunterzieht“, weiß der Zivildiener. Trotz der schwierigen Umstände sei er gerne in der Mentlvilla. Es komme ganz auf den Tag darauf an, wie die Stimmungslage der Klient/-innen sei, aber er habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen oft viel umgänglicher seien als Leute ohne Suchterkrankungen. Nur selten komme es zu Streitigkeiten mit und unter den Klient/-innen selbst.

Bereut hat Manuel die Tätigkeit in der Mentlvilla nicht, die schönen Aspekte würden klar überwiegen: „Das Schönste an meiner Tätigkeit ist, wenn ich Menschen helfen kann – ich bin schließlich da, um zu helfen.“ Der Zivildienst hat das Interesse von Manuel an einem Beruf im sozialen Bereich geweckt. Mittlerweile überlegt er sogar, hier tätig zu bleiben.

Für Dienststellenleiterin Silvia Steiner sind die Zivildiener unverzichtbar: „Zivildiener leisten in unseren Caritas-Einrichtungen unheimlich gute Arbeit. Ohne ihre fleißigen Hände und ihren offenen Blick wäre der Alltag oft nicht durchführbar. Es macht mir große Freude, die jungen Menschen neun Monate zu begleiten und zu sehen, wie sich ihre Haltung zu unserer Arbeit und unseren Klienten verändert. Sie sind unsere Multiplikatoren und Fürsprecher für jene Menschen, die sich am Rand der Gesellschaft bewegen. Ich bin unendlich dankbar, dass sich immer wieder Zivildiener finden, die in unseren Einrichtungen ihren Dienst machen möchten.“ (TT)