Brexit-Hardliner werfen May „Kapitulation“ vor
London/Brüssel (APA/AFP) - Trotz des wichtigen Etappenerfolgs bei den Brexit-Verhandlungen steht die britische Premierministerin Theresa May...
London/Brüssel (APA/AFP) - Trotz des wichtigen Etappenerfolgs bei den Brexit-Verhandlungen steht die britische Premierministerin Theresa May in ihrer Heimat weiter unter großem Druck. Während Parteifreunde wie Umweltminister Michael Gove von einem „großen persönlichen und politischen Erfolg“ für May sprachen, übten prominente Brexit-Vorkämpfer scharfe Kritik an der Regierungschefin.
Die „Leave.EU“-Kampagne warf May am Freitag eine „vollständige Kapitulation“ vor. Auch der frühere UKIP-Chef Nigel Farage kritisierte die Einigung mit Brüssel. „Wir können nun zur nächsten Etappe unserer Erniedrigung voranschreiten“, schrieb Farage im Kurzbotschaftendienst Twitter.
Die konservative Zeitung „Daily Mail“ warnte: „Je mehr die Eurokraten Frau Mays ‚Entschlossenheit‘ loben, desto unwohler sollten wir uns fühlen.“ Auch in der „Sun“ überwog die Skepsis. May habe „neun lange und schmerzvolle Monate“ benötigt, um einen Durchbruch in der ersten Verhandlungsphase zu erzielen - und die größten Herausforderungen stünden noch bevor.
Der Brexit-Experte der oppositionellen Labour Party, Keir Starmer, begrüßte die Einigung mit der EU-Kommission, warnte aber zugleich, dass der „politische Preis für den Kompromiss“ noch nicht abzuschätzen sei. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon erklärte: „Der Teufel steckt im Detail, und nun wird es erst richtig schwierig.“
Die EU-Kommission hatte Freitag früh empfohlen, in die zweite Phase der Brexit-Verhandlungen über die künftigen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien einzutreten. Offiziell entscheiden darüber müssen noch die Staats- und Regierungschefs beim EU-Gipfel kommende Woche.