Osttirol

Wenn kein Pinselstrich zu viel gesetzt wird

© Funder

Reduktion auf das Wesentliche: Für die Motive im Jahreskalender des Osttiroler Künstlers Hans Salcher gilt erneut das Credo „Weniger ist mehr“.

Von Claudia Funder

Lienz –Ein sympathisches „Kim lei“ steht in farbig gemalten Lettern an der Hauswand vor dem Atelier und lädt zum Eintreten ein. Das kleine Refugium in der Lienzer Mühlgasse ist wohlig warm beheizt und ein heimeliger Ort. Die vielen Bilder an den Wänden und – gestapelt – auf dem Tisch mit ihrem auf das Allernotwendigste reduzierten Stil spiegeln die Heimatverbundenheit des Künstlers mit Bodenhaftung wider – abseits von Idylle und Kitsch. Motive, die von allem entbehrlichen Ballast befreit sind, drücken mit denkbar wenigen Linien aus, was dem Betrachter vermittelt werden soll. Jedem einzelnen Pinselstrich verleiht Hans Salcher Bedeutung. Seine „Handschrift“ ist signifikant und unverwechselbar. Und weit über die Bezirksgrenzen hinweg bekannt – drückt er doch unter anderem der grafischen Linie des Senders Servus TV seinen prägnanten Stempel auf.

Nun gestaltete der Künstler, der sich der Radikalisierung des Minimalismus verschrieben hat, erneut einen Kalender. Der Jahresbegleiter für 2018 beinhaltet zwölf Werke des 61-Jährigen. „Alles neue Bilder, die ich im vergangenen Jahr gemacht habe“, konkretisiert es Salcher. Nur das Motiv für das zusätzliche Deckblatt mit dem Titel „Freude“ ist deutlich älteren Datums. „Es ist das Erste meiner Bilder in Strichtechnik“, verrät der Künstler. Die Auflage des ansprechenden Kunstkalenders ist auf 200 Stück limitiert.

Gibt es ein persönliches Lieblingsmotiv? „Ja“, antwortet Salcher spontan und nennt den Monat Mai, dessen Bild den Titel „Liebe“ trägt: „Liebe ist alles, was der Mensch braucht“, ist der Meister der Verkürzung überzeugt.

Was er künstlerisch ausdrücken will, bringt er minimalistisch, aber mit viel Gefühl aufgeladen zu Papier. „Es schaut einfach aus, ist es aber nicht“, stellt Hans Salcher klar, denn das Wenige erfordere Genauigkeit. „Je mehr man weglässt, desto schwieriger ist es.“

Es sind alltägliche Motive, deren Aussage er mit seinen wenigen gesetzten Linien auf den Punkt bringt. Der Minimalismus ist auch Ausdruck seiner Haltung und Ästhetik – eine auflehnende Reaktion gegen Überfülle und Rastlosigkeit des Alltags. „Das Schönste ist das Einfachste“, betont Salcher und ergänzt: „Auch der einfachste Mensch ist der schönste.“

Glück? Das ist für Salcher bereits, „wenn ich einen Strich mache, der gelingt“.

Advent und Weihnachten bedeuten dem Kreativen viel. Leider, bedauert er aber, machen die Geschäftswelt und der Konsum vieles an Stimmung kaputt. Deshalb setzt er auch hier auf Reduktion auf das Wesentliche. „Ich bin ein gläubiger Mensch und werde es immer bleiben“, so Hans Salcher. „Es gibt etwas zwischen Himmel und Erde“, ist er überzeugt.

Hans Salcher strahlt Gelassenheit aus und verliert sie auch nicht, als während des Gesprächs wiederholt Besucher den Kopf durch die Tür des Ateliers stecken und allerhand von ihm wollen. Er bleibt ruhig und nimmt sich viel Zeit, signiert zum Schluss noch ein Exemplar seines neuen Kalenders und verschenkt es kurzerhand mit einem Lächeln.

Der neue Jahresbegleiter von Hans Salcher wird wohl auch nach Ablauf von 2018 noch zur Hand genommen und wiederholt durchgeblättert werden. Für das Altpapier ist er definitiv zu schön.

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Catharina Oblasser

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