Experte warnt vor „dramatischer Versorgungskrise“ in Venezuela
Caracas (APA) - Der aus Venezuela stammende Generalsekretär des Weltverbands der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ), Orlando Machado, warnt v...
Caracas (APA) - Der aus Venezuela stammende Generalsekretär des Weltverbands der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ), Orlando Machado, warnt vor einer „immer dramatischer“ werdenden Versorgungskrise in seinem Heimatland. Es gebe für die gesamte venezolanische Gesellschaft zu wenig Nahrungsmittel, sagte Machado am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Bonn, wie Kathpress berichtet.
In Venezuela selbst würden nicht genügend Lebensmittel produziert, und durch die internationale „Isolierung“ des krisengeschüttelten Landes könnten „viele Produkte, die das Land bräuchte, nicht mehr importiert werden“.
Die Versorgungskrise treffe Menschen aus armen Bevölkerungsschichten besonders hart. „Diese Leute haben tatsächlich Schwierigkeiten, sich satt essen zu können“, sagte der 34-jährige Indigene vom Volk der Wayuu, der selbst schon als Kind mit neun Jahren auf dem Großmarkt als Lastenträger arbeiten musste, „weil meine Mutter nicht genug zu essen für uns hatte“. Die Krise habe sich zuletzt sogar noch verschärft: „Die Jungs, die heute auf dem Markt arbeiten und vorher dreimal am Tag essen konnten, können jetzt nur noch zweimal essen.“
Ohne die Essenspakete, die die Regierung an die Bevölkerung verteile, könnten viele Menschen in Venezuela ihr Überleben nicht sichern. Der Mindestlohn liege offiziell bei rund 200 Euro pro Monat; tatsächlich würden in prekären Arbeitsverhältnissen aber oft nur zehn Euro bezahlt. „Das reicht für nichts“, beklagte Machado.
Venezuela, das aufgrund seiner Erdölexporte noch vor 70 Jahren als viertreichstes Land der Welt galt, habe sich zu sehr auf diesen Bodenschatz verlassen. „Wir als Venezolaner sollten das Erdöl vergessen“, sagte Machado. „Wir müssen unsere Art, zu denken, ändern und damit aufhören, alles vom Staat zu erwarten.“ Es gehe darum, „kleine gemeinschaftliche Lösungen“ für die Produktion von Nahrungsmitteln zu finden. „Wir müssen buchstäblich anfangen zu säen“, sagte Machado.
Machado ist seit Oktober 2016 internationaler Vertreter der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ), die in 42 Ländern in Asien, Afrika, Nord- und Südamerika sowie Europa aktiv ist. Sie will für arbeitende Kinder und Jugendliche „neue Perspektiven“ schaffen.