Poco sieht sich von Steinhoff-Turbulenzen nicht betroffen

Bergkamen/Sandton (APA/dpa) - Der deutsche Möbel-Diskonter Poco sieht sich von den Turbulenzen rund um den Konzern Steinhoff nicht betroffen...

Bergkamen/Sandton (APA/dpa) - Der deutsche Möbel-Diskonter Poco sieht sich von den Turbulenzen rund um den Konzern Steinhoff nicht betroffen. Steinhoff sei mit einem Anteil aktuell 50 Prozent an dem Unternehmen nur einer von zwei Gesellschaftern, berichtete ein Poco-Sprecher. Zweiter Anteilseigner sei über eine Beteiligungsgesellschaft die österreichische Unternehmerfamilie Seifert, die auch die Möbelkette XXXLutz betreibt.

Wegen eines Feiertags war das österreichische Unternehmen zunächst nicht zu erreichen.

Da Steinhoff der Mutterkonzern der österreichischen Möbelgruppe Kika/Leiner ist, und die XXXLutz-Unternehmerfamilie laut Bericht Hälfteeigentümer der deutschen Poco-Möbelkette mit Steinhoff als zweitem Hälfteeigentümer sind, strahlt die Affäre rund um den südafrikanischen Möbelkonzern wohl stark nach Österreich aus.

Mit einem Umsatz von rund 1,6 Mrd. Euro und knapp 8.000 Beschäftigten zählt Poco zu den führenden deutschen Möbelhändlern. Das Unternehmen sei in seiner wirtschaftlichen und strategischen Ausrichtung eigenständig und verfüge über eine solide Finanzstruktur, hieß es von einem Sprecher in Bergkamen am Freitag. Mögliche Ermittlungen der Staatsanwaltschaft richteten sich nicht gegen Poco.

Die Aktionäre des von einem Bilanzskandal erschütterten Mutterkonzerns Steinhoff brauchen hingegen starke Nerven: Zwischenzeitlich lösten sich rund 13 Mrd. Euro an Börsenwert in Luft auf. Auch eine leichte Erholung des Kurses im Laufe des Freitagvormittags änderte nichts an der trüben Gemengelage.

Nach dem Hochkochen des Bilanzskandals und dem Abgang des Chefs mussten die Anleger eine weitere Hiobsbotschaft ertragen: Die Ratingagentur Moody‘s stufte die Kreditwürdigkeit des Konzerns auf Ramschniveau ab. Das bedeutet, dass Moody‘s ernste Bedenken hat, dass Steinhoff seine Schulden zuverlässig zurückzahlen kann.

Die Aktien sackten in der Folge Freitagfrüh um weitere 41 Prozent bis auf ein neues Tief von 0,35 Euro ab. Ende November hatten sie mit 3,50 Euro noch das Zehnfache gekostet. Noch deutlicher wird der tiefe Fall, wenn man den gesamten Börsenwert betrachtet - dieser betrug zwischenzeitlich nur noch 1,5 Mrd. Euro nach zuvor 14,8 Mrd. Euro.

Angesichts der massiven Ausschläge der Aktie schaut sich die deutsche Finanzaufsicht BaFin den Kursverlauf nun an. Es handle sich um reine Routine, sagte eine Sprecherin. Zuletzt lag der Kurs wieder 5 Prozent im Plus gegenüber dem Vortag bei 0,62 Euro.

Die Commerzbank hat sämtliche Schätzungen zum Geschäftsverlauf bei Steinhoff und zur Entwicklung der Aktie zurückgezogen. Solange das Ergebnis der Untersuchung der beauftragten Wirtschaftsprüfer von PwC nicht vorliege, gebe es keine verlässliche Grundlage für irgendwelche Prognosen, schrieb die Bank.

~ ISIN NL0011375019 WEB http://www.steinhoffinternational.com/

http://www.lutz.at ~ APA368 2017-12-08/16:20