Innsbruck

„Die Zahl der Asylwerber ist immer noch überschaubar“

© Verein Multikulturell

Von Hilfestellung für verliebte Flüchtlingsburschen bis hin zu Basisbildung von Afghanen – die Flüchtlingswelle brachte auch für den Verein Multikulturell neue Aufgaben.

Von Denise Daum

Innsbruck –In den Gängen des Vereins Multikulturell duftet es nach frischem Brot, Frauen laufen von einem Raum zum anderen, Lachen vermischt sich mit Gesprächsfetzen in unterschiedlichen Sprachen. Regelmäßig kommen in der Andreas-Hofer-Straße in Innsbruck Frauen aus aller Herren Länder zusammen. Um sich auszutauschen, um mit und voneinander zu lernen. Das „Frauencafé“ ist nur eines der vielfältigen und umfangreichen Angeboten des Vereins Multikulturell.

Der Kompetenzbereich der gemeinnützigen Organisation hat sich seit der Gründung 1993 stetig erweitert. Die Flüchtlingswelle brachte schließlich erneut weitere Aufgaben, wie beispielsweise die Basisbildung. „Der Bildungshintergrund vieler jugendlichen Flüchtlinge – vor allem jener aus Afghanistan – ist nicht mit unserem Bildungssystem in Einklang zu bringen“, erklärt Ovagem Agaidyan, Vorsitzender des Vereins Multikulturell. Diese brauchen ein spezielles Aufbauprogramm, um ans österreichische System andocken zu können. Über die Bildungskurse hinaus bekommen Flüchtlinge im Verein Hilfe. Das geht bis hin zu Tipps für verliebte Burschen. „Einer hat sich in ein Tiroler Madl verknallt und um Rat gefragt. Er wollte hinsichtlich des kulturellen Kodex nichts falsch machen“, erzählt Agaidyan.

Von Wertekursen hält der Vorsitzende übrigens nichts. Viel mehr brauche es „kulturelle Übersetzer“ und einen gegenseitigen Austausch über Gepflogenheiten. „No na sind die Menschen aus anderen Kulturen anders gestrickt. Sie sollen darüber erzählen, wie sie leben.“

Flüchtlinge würden sehr wohl die Zurückhaltung der Tiroler Bevölkerung ihnen gegenüber spüren – vor allem, wenn sie am Wohnungs- und Arbeitsmarkt ankommen. „Die Menschen wollen für sich selbst sorgen und arbeiten. Das ist doch der beste Beweis, dass sie eine Integration anstreben“, erklärt Agaidyan. Er sieht in den Flüchtlingen und Migranten große Chancen, um beispielsweise den Bedarf an Arbeitskräften im Tourismus abzudecken.

Für die Frage, ob Österreich mit der aktuellen Zahl an Asylwerbern zurechtkommen kann, hat er ein müdes Lächeln übrig. „Österreich zählt zu den reichsten Ländern der Welt. Ich bin überzeugt, dass das machbar ist. Die Zahl der Asylwerber ist immer noch überschaubar.“ Ein Schlag ins Gesicht für alle jene, die im Bereich Integration tätig sind, sei allerdings die im vergangenen Jahr beschlossene Regelung des „Asyl auf Zeit“. Asylwerbern werde damit die Motivation genommen, etwas zu tun. „Sie werden damit in den Standby-Modus gedrängt. Asyl auf Zeit ist der falsche Weg“, ist Agaidyan überzeugt.

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