Cyberwährung

Die Wette auf den Bitcoin wurde heute eröffnet

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Die US-Handelsplattform CBOE lässt ab jetzt auf das Internet-Phänomen Bitcoin spekulieren. Wie lange dauert die Rekordjagd?

Frankfurt/Main — Rund um den Bitcoin überschlagen sich die Ereignisse. Der Kurs spielt verrückt, schwankt binnen weniger Stunden um Tausende von Dollar. Zuletzt stieg der Wert einer Einheit auf dem Handelsplatz Coinbas­e innerhalb von 90 Minuten erst von 16.000 Dollar auf fast 20.000 Dollar, um dann wieder alle Gewinne abzugeben — zu Jahresbeginn war ein Bitcoin nur 1000 Dollar wert. Zudem wurden Online-Börsen jüngst von Hackern bestohlen und müssen den Dienst einstellen. Da wirkt es paradox, dass die Krypto­währung heut­e einen Karriereschritt in Richtung eines etablierten Finanzprodukts macht. Doch genau das könnte einer der Gründe für das Chaos sein. Für Nicht-Bitcoin-Freaks ist das alles kaum noch zu verstehen:

Was ist ein Bitcoin?

Der Bitcoin ist die bekannteste von über 1000 so genannten Digitalwährungen. Ein gewisser Satoshi Nakamoto, dessen Identität bis heute nicht geklärt ist, soll ihn 2009 in Umlauf gebracht haben. Die Digitalwährung wird nicht von zentralen Instanzen wie Notenbanken oder Regierungen kontrolliert und gewährt bei Überweisungen Anonymität. Bitcoins sind rein virtuell und werden auf Computern von Nutzern durch Rechenprozesse erzeugt. Dieses so genannte Mining wird mit der Zeit immer komplizierter, so dass der Bitcoin knapp gehalten wird.

Was passiert heute?

Die US-Handelsplattform CBOE beginnt am 10. Dezember mit dem Handel von Bitcoin-Futures. Eine Woche später will auch der weltweit größte Börsenbetreiber CME folgen. Mit diesen Future-Kontrakten werden Rohstoffe oder Finanzprodukte zu einem vorab festgelegten Preis zu einem bestimmten künftigen Zeitpunkt gehandelt. Dadurch können sich Käufer und Verkäufer gegen Preisschwankungen absichern. Es sind aber Spekulationen auf Kursentwicklungen möglich.

Was bedeutet die Einführung des Futures?

Der Bitcoin macht damit einen Schritt auf dem Weg vom Anarcho-Cyberprodukt in die etablierte Finanzbranche, denn Bitcoins werden durch die Futures auch für große, institutionelle Investoren besser handelbar. Die US-Investmentbank Goldman Sachs plant, für bestimmte Kunden Bitcoin-Futures abzuwickeln. Andere US-Großbanken dagegen wollen vorerst keine Kundenaufträge für den Handel mit Bitcoin-Futures annehmen. Die Entwicklung ist nicht im Sinne vieler Bitcoin-Fans, die in den Cyber-Münzen eine dezentral organisierte Alternative zu etablierten Währungen sehen. Die starken Kursschwankungen machen den Bitcoin als Zahlungsmittel vollkommen ungeeignet.

Könnte ein Bitcoin-Future gefährlich werden?

Der US-Milliardär Thomas Peterffy warnt vor einem möglichen Crash am gesamten Finanzmarkt wie nach der Lehman-Pleite. Führende Währungshüter der Welt sind sich aber einig, dass der Bitcoin dafür eine viel zu geringe Bedeutung hat. Sorgen macht Behörden, dass Kriminelle den Bitcoin für anonyme Überweisungen nutzen können. Zudem werden immer wieder Bitcoin-Börsen von Hackern beklaut. Da keine Banken, Staaten oder Notenbanken Bitcoins kontrollieren, gibt es bei einem Diebstahl keine Möglichkeit, die Transaktion rückgängig zu machen.

Könnten Terminkontrakte verboten werden?

Aufsichtsbehörden könnten den Future-Handel jederzeit unterbinden. Die US-Behörde CFTC hat aber grünes Licht gegeben. In der etablierten Finanzbranche sieht man das mit Argwohn. Der Lobbyverband „Futures Industry Association" kritisiert, dass es kaum öffentliche Diskussion darüber gegeben habe. Die CFTC beteuert, man werde den Handel mit den Futures beobachten und dann weiterhin prüfen, ob Anpassungen nötig seien.

Steigt der Wert des Bitcoin nach der Future-Einführung?

Das kann niemand wissen. Eugen Weinberg, Experte bei der Commerzbank, sieht den Bitcoin an einem kritischen Punkt. „Mit dem Future haben künftig beispielsweise Hedgefonds die Möglichkeit, im großen Stil auf einen Wertverfall beim Bitcoin zu wetten." Ein deutlicher Preisverfall wär­e demnach nicht verwunderlich. Der Chef der französischen Notenbank sieht das ähnlich und warnt all jene, die in Bitcoins investieren, dass sie dies „vollständig auf eigenes Risiko" tun. (dpa)