Weitere Vorwürfe gegen 2 - TG: Bewohner „schwerst traumatisiert“
St. Pölten/Krems (APA) - Zu angeblichen weiteren Missständen und offenbar 33 Polizeieinsätzen 2016 in einer Wohneinrichtung in Niederösterre...
St. Pölten/Krems (APA) - Zu angeblichen weiteren Missständen und offenbar 33 Polizeieinsätzen 2016 in einer Wohneinrichtung in Niederösterreich hat der Träger, Therapeutische Gemeinschaften (TG), erklärt: „Aufgrund einer datenschutzrechtlichen Vereinbarung in den Verträgen mit dem Land NÖ dürfen wir weder eine Anzahl von Delikten bestätigen noch zu den Delikten selber eine Stellungnahme abgeben.“
Die in den Einrichtungen der TG untergebrachten Kinder und Jugendlichen seien „schwerst traumatisiert und in psychischen Ausnahmezuständen teils unberechenbar. In diesen psychischen Ausnahmezuständen können auch Delikte nach dem Strafgesetzbuch vorkommen, welche der anwesenden Polizei gemeldet werden“, teilten Hermann Radler, Geschäftsführer und Gründer der TG, und Stefan Bauer, stellvertretender Geschäftsführer und Personalleiter, in einer schriftlichen Stellungnahme mit.
Abgängigkeitsmeldungen müssten etwa bei akuter Selbst- und Fremdgefährdung gemacht werden. „Wenn das Kind bzw. der Jugendliche beispielsweise in einer psychischen Ausnahmesituation davonläuft, wird umgehend die Polizei alarmiert, welche danach eine umgehende Fahndung auslösen wird“, hieß es. Sollte das Kind oder der Jugendliche nicht zum vereinbarten Zeitpunkt erscheinen und auch nicht erreichbar sein, werde dies ebenso der Polizei mitgeteilt.
In der Wohngemeinschaft im Bezirk Krems-Land, in der es laut „profil“ zu „Selbstmord-Versuchen, Sexualdelikten, Sachbeschädigungen, Körperverletzungen und Diebstählen“ gekommen sein soll, sind sechs Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren untergebracht. Diese haben laut TG durchschnittlich bereits sechs bis sieben Einrichtungen durchlaufen - etwa Psychiatrie, andere Angebote der Kinder- und Jugendhilfe oder Pflegefamilien. „Wenn sich ein Jugendlicher beispielsweise in einem psychischen Ausnahmezustand befindet, und dieser weder mit pädagogischen noch durch therapeutische Maßnahmen, in denen unsere Mitarbeiter sehr professionell geschult sind, zu beruhigen ist, muss die örtlich zuständige Kinder- und Jugendpsychiatrie angerufen werden“, wurde mitgeteilt. Hierzu werde die Rettung sowie die darauffolgend automatisch alarmierte Polizei zur Unterstützung gerufen.
Die Therapeutischen Gemeinschaften wurden 1999 von Hermann und Sonja Radler gegründet und sind eine Spezialeinrichtung für sehr schwer traumatisierte Personen im Alter von sechs bis 18 Jahren. Zur Zeit betreut die TG an ihren Standorten rund 50 Kinder und Jugendliche. „Alle unsere Einrichtungen werden und wurden von Aufsichtsbehörden - auch unangekündigt - kontrolliert und positiv beurteilt“, wurde festgehalten. Maximal acht Kinder und Jugendliche bilden eine Wohngemeinschaft, qualifizierte Fachkräfte kümmern sich laut TG um einen geregelten Lebensalltag. „Ziel ist es, diese Kinder auf ein selbstständiges und in die Gesellschaft integriertes Leben vorzubereiten“, hieß es.
„Vorwürfe über Misshandlungen sind zu 100 Prozent unwahr“, wurde erneut von der Geschäftsführung betont. Die Anschuldigungen seien wiederholt durch zwei ehemalige Mitarbeiter erhoben worden, „wobei für uns der zwingende Eindruck entstehen muss, dass die betreffenden Personen aus persönlichen Motiven handeln“. Verwiesen wurde auch darauf, dass nach einer Anzeige 2016 diesbezügliche Ermittlungen der Staatsanwaltschaft heuer im Mai eingestellt worden sind.