„NZZ“: Palästinenser sind die Verlierer beim Machtpoker

Jerusalem (APA/dpa) - Zur Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Donald Trump und dem Machtpoker im Nahen Osten heißt es in der „Neuen Zürc...

Jerusalem (APA/dpa) - Zur Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Donald Trump und dem Machtpoker im Nahen Osten heißt es in der „Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag“:

„Dieser Schritt ist ein zwar ruchloser, aber cleverer Schachzug im nahöstlichen Machtpoker. Trump und sein Schwiegersohn Jared Kushner haben erkannt, dass sie eine einzigartige Chance haben, Fakten zu schaffen, die ihren Friedensvorstellungen und jenen von Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu ziemlich nahekommen. Wie die lauwarmen Protestnoten zeigen, haben arabische Länder wie Saudi-Arabien derzeit andere Sorgen als die Palästinenser. Sie fürchten sich vor der wachsenden Macht des Irans und schmieden im Hintergrund bisher undenkbare Allianzen - etwa mit Israel. Dafür scheinen sie bereit, unverhandelbare Positionen wie einen lebensfähigen zusammenhängenden Palästinenserstaat zu opfern. So haben die Saudi den Palästinensern kürzlich inoffiziell einen Plan vorgestellt, der die meisten strittigen Fragen zugunsten Israels lösen würde. Trumps Anerkennung Jerusalems ist nicht das Ende der Friedensverhandlungen, sondern die Ouvertüre. Die Verlierer stehen auch schon fest: Das sind die Palästinenser.“

„The Observer“: Preis für neuen Jerusalem-Status könnte hoch sein

Zur Jerusalem-Entscheidung Trumps heißt es in der Londoner Sonntagszeitung „The Observer“: „Wichtige Verbündete der USA wie etwa Jordanien und andere Länder, darunter der Irak und Ägypten, sind von dieser Entscheidung, die bei der Mehrheit der arabischen Bevölkerung unpopulär ist, überrascht worden. Das hat diese Staaten in die Defensive getrieben. Hingegen profitieren davon der Iran und Gruppierungen, die von ihm unterstützt werden. Sie erscheinen nun an der vordersten Front des Widerstandes gegen den neuen Status von Jerusalem, wie die USA ihn sehen.

Selbst in Israel, wo Trumps Rede als ein Geschenk für Ministerpräsident Benjamin Netanyahu gesehen wurde, der von Skandalen umgeben und in den Meinungsumfragen abgestürzt ist, befürchten längst viele, dass der Preis für die seit langem ersehnte Anerkennung Jerusalems (als Hauptstadt Israels) ein zu hoher Blutzoll wäre.“