Aktionstag „Solidarität mit Verfolgten Christen“ am Dienstag in Wien
Wien (APA) - Anlässlich des Tages der Menschenrechte am heutigen Sonntag findet am Dienstag in Wien eine Großveranstaltung für Religionsfrei...
Wien (APA) - Anlässlich des Tages der Menschenrechte am heutigen Sonntag findet am Dienstag in Wien eine Großveranstaltung für Religionsfreiheit statt. Die Plattform „Solidarität mit verfolgten Christen“ ruft zum Fackelzug von der Staatsoper (Beginn 17:00 Uhr) zum Stephansdom auf, wo ein ökumenischer Wortgottesdienst stattfinden wird. Weltweit sind laut den Veranstaltern rund 200 Millionen Christen von Verfolgung betroffen.
Die Plattform „Solidarität mit verfolgten Christen“, der mehr als 20 christliche Organisationen angehören, berichtet im Vorfeld des Aktionstages, nach jüngsten Studien habe die Verfolgung von Christen aus Glaubensgründen weltweit einen neuen Höchststand erreicht. Seit vielen Jahren werde in Nahost, in Staaten Afrikas, in Afghanistan und Pakistan „radikaler Terror gegen Christen ausgeübt“. Terroristen des sogenannten „Islamischen Staates“ ermordeten weiter Christen. In vielen Staaten würden Menschen gefangen gehalten, vertrieben oder getötet, „nur weil sie Christen sind“. Das Menschenrecht auf Religionsfreiheit werde in mehr als 50 Ländern mit Füßen getreten.
Bereits zum zehnten Mal findet die Solidaritätsveranstaltung mit den verfolgten Christen in aller Welt statt. „Wir möchten die Öffentlichkeit über das Unrecht informieren“, heißt es in der Pressemitteilung der Plattform laut Ökumenischer Stiftung „Pro Oriente“. „Wachsende Verfolgung von Christen betrifft weltweit rund 215 Millionen Menschen.“ Die Entführungen und Vergewaltigungen christlicher Mädchen in bestimmten Staaten, das Niederbrennen von Kirchen müssten ein Ende finden, christliche Flüchtlinge und Konvertiten in Europa geschützt werden, die vertriebenen Christen eine Chance auf Rückkehr in ihre Heimat haben.
Christen werden weltweit stärker diskriminiert, bedroht und verfolgt als jede andere Glaubensgruppe, geht aus dem Index der christlichen NGO „Open Doors“ hervor. Diese erhebt jährlich die Zahl der verfolgten Christen in einem ‚Weltverfolgungsindex‘, der 50 Staaten umfasst, in denen rund 650 Millionen Christen leben (https://www.opendoors.de/christenverfolgung/weltverfolgungsindex). Kurt Igler von „Open Doors“ Österreich spricht von einer signifikanten Zunahme der Verfolgung in den letzten zehn Jahren. Hauptursachen seien die Radikalisierung der muslimischen Bevölkerung in vielen Staaten, aber auch zunehmender religiöser Nationalismus, etwa in Indien.
Besorgniserregend ist der Exodus der christlichen Minderheiten aus den Ländern der Bibel. In den durch den IS und andere militante Islamisten-Gruppen geführten Kriegen in Nahost waren und sind Christen überproportional stark betroffen. Im Irak sind mehr als die Hälfte der christlichen Bevölkerung Binnenflüchtlinge. In Aleppo (Syrien), bis 2011 die Heimat der größten christlichen Gemeinschaft des Landes, sank deren Zahl bis zum Frühling 2017 von rund 150.000 auf nur mehr knapp 35.000. Führende Kirchenvertreter im Nahen Osten fühlen sich von der Weltgemeinschaft vergessen. „Die Bedürfnisse der vertriebenen Christen werden nicht ausreichend gesehen“, so Herbert Rechberger von „Kirche in Not“ (http://www.christenverfolgung.org).
Auch in Afrika ist Extremismus ein zunehmendes Problem - vor allem in Nigeria, wo die IS-nahe „Boko Haram“ 1,8 Millionen Menschen vertrieben hat. Allein in der Diözese Kafanchan wurden in fünf Jahren 988 Menschen getötet, 71 Dörfer und 20 Kirchen der christlichen Mehrheit zerstört.
Wachsende Besorgnis herrscht in der Plattform aber auch über Entwicklungen in Europa. Zwar treffe hier der Begriff „Christenverfolgung“ nicht zu, doch gebe es viele, in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene Fälle von Diskriminierung und auch rechtlichen Einschränkungen für praktizierende Christen in etlichen Staaten. Dazu gehöre die Einschränkung von Meinungs- und Gewissensfreiheit, auch Märsche für den umfassenden Schutz des menschlichen Lebens seien untersagt und christliche Studentengruppen vom Universitätscampus verbannt worden.
Dazu kommt die Diskriminierung christlicher Flüchtlinge. 2016 führte „Open Doors“ in Deutschland unter diesen eine Umfrage durch. 83 Prozent berichteten von mehrfachen Übergriffen, 42 Prozent sogar von Todesdrohungen und 56 Prozent von gewalttätigen Angriffen. 91 Prozent dieser Taten seien von muslimischen Mit-Flüchtlingen begangen worden. Ellen Fantini vom Dokumentationsarchiv der Intoleranz gegen Christen erklärte, es sei „inakzeptabel, dass die meisten Christen in Flüchtlingsunterkünften vor einem Genozid geflohen sind, dass ihnen aber Diskriminierung und Gewalt nach Europa gefolgt sind“ (http://www.intoleranceagainstchristians.eu).