Grasser-Prozess - Angeklagter Plech war Grassers Makler und Vermieter
Wien/Linz (APA) - Der Immobilienmakler Ernst Karl Plech ist wohl der in der Öffentlichkeit unbekannteste jener vier Angeklagten, die laut An...
Wien/Linz (APA) - Der Immobilienmakler Ernst Karl Plech ist wohl der in der Öffentlichkeit unbekannteste jener vier Angeklagten, die laut Anklage einen gemeinsamen Tatplan zur Bereicherung durch Korruption während der Amtszeit von Finanzminister Karl-Heinz Grasser schlossen. Plech selber weist alle Vorwürfe entschieden zurück, es gilt die Unschuldsvermutung.
Der 73-jährige gebürtige Leobener wird in der 2016 verfassten Anklage der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft als Pensionist mit 7.500 Euro Jahreseinkommen bezeichnet. Der Kommerzialrat war zuvor jahrzehntelang als gut vernetzter Makler mit seiner Firma „Plech & Plech“ in einem repräsentativen Innenstadtbüro am noblen Wiener Graben tätig. Er galt als FPÖ-nahe, hielt sich aber selber meist im Hintergrund. Eine Ausnahme war wohl der Innsbrucker Parteitag 1986, wo er laut Medienberichten den jungen Jörg Haider, der gerade den bisherigen FPÖ-Chef Gerhard Steger gestürzt hatte, auf seinen Schultern durch den Saal trug.
Plech sponserte Hubschrauberflüge für Haiders Landtagswahlkämpfe, ging mit ihm auf Imagetour in die USA und stellte Haider ein Penthouse in Wien zur Verfügung, berichtete das „profil“. In dieser Dachgeschoßwohnung in einem Plech gehörenden Jugendstilhaus im Prater-Cottage, in dem der Künstler Egon Schiele sein Atelier hatte, wohnte dann jahrelang Grasser, und zwar Tür an Tür mit Plech. Die Anklage stützt sich hier auf die Aussage von Grassers Ex-Freundin - denn der Minister war nämlich polizeilich an der Adresse gar nicht gemeldet.
Im Jahr 2000 startete die schwarz-blaue Koalitionsregierung von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP), Grasser erhielt für die FPÖ das Finanzministerium. Auf Wunsch Grassers übernahm Plech - neben seiner Tätigkeit als privater Immobilienmakler - mehrere Aufsichtsratsfunktionen im öffentlichen Immobilienbereich: Plech war ab dem Jahr 2000 Vorsitzender des Aufsichtsrates der Bundeswohnungsgesellschaft (Buwog), von November 2004 bis Februar 2009 blieb er als einfaches Mitglied im Gremium. Von 2001 bis 2004 war Plech auch Vorsitzender des Aufsichtsrates der Linzer Wohnungsanlagen GesmbH (WAG). Ab Jahresende 2001 bis 2007 fungierte er als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bundesimmobiliengesellschaft BIG.
Als ausgewiesener Immobilienexperte soll Plech hinter den Kulissen die Fäden gezogen haben, um die Korruptionsgeschäfte von Grasser, Peter Hochegger und Walter Meischberger mit dem entsprechenden Fachwissen überhaupt erst möglich zu machen, so der Tenor der Anklage. Für den Zuschlag bei der Privatisierung der Bundeswohnungen soll vom Austro-Konsortium mit der Immofinanz ein Prozent des Kaufpreises gefordert worden sein, die schließlich über Hocheggers Firma Astropolis auf Zypern über Umwege auf drei Konten nach Liechtenstein flossen. Die Anklage ordnet eines der Konten Plech zu. „Am KR Ernst Plech zurechenbaren Konto „Karin“ setzte er seine Familienmitglieder als Bevollmächtigte ein und verwendete die Geldmittel für eigene Zwecke, wie beispielsweise für Immobilieninvestitionen in Australien und die Anschaffung einer Yacht gemeinsam mit Ing. Walter Meischberger.“
Plech war schon jahrelang mit Meischberger geschäftlich verbunden: Er hielt über dessen Seitenblicke Verlagsgesellschaft m.b.H. eine Beteiligung an dessen Werbeagentur ZehnVierzig.
Als die Ermittler den Verdacht auf Korruptionsgeschäfte hegten und daher Telefonate der nunmehr Angeklagten abhörten, geriet Plech unfreiwillig ins Rampenlicht: Er telefonierte mit Meischberger, der ihn am Vorabend eines Einvernahmetermins eindringlich zu einem der Immobiliengeschäfte mit hohen Provisionen fragte: „Wo woar mei Leistung?“
~ ISIN AT00BUWOG001 AT0000609607 WEB http://www.buwog.at
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