Prozessauftakt zu Anschlag auf Istanbuler Nachtclub „Reina“

Vor dem Gericht im Gefängnis von Silivri müssen sich der mutmaßliche Attentäter Abdulkadir Mascharipow sowie 56 mutmaßliche Komplizen verantworten.

Bei dem Anschlag auf den Nachtclub "Reina" wurden 39 Menschen getötet.
© REUTERS

Istanbul – In Istanbul hat am Montag der Prozess zum Anschlag auf den Nachtclub „Reina“ begonnen, bei dem in der vergangenen Neujahrsnacht 39 Menschen getötet wurden. Vor dem Gericht im Gefängnis von Silivri müssen sich der mutmaßliche Attentäter Abdulkadir Mascharipow sowie 56 mutmaßliche Komplizen verantworten. Zu dem Anschlag hatte sich die Terrormiliz IS (Daesh) bekannt.

Wie die Nachrichtenagentur Dogan berichtete, begann der Prozess am Montagvormittag in dem Gefängnis westlich von Istanbul im Beisein von 51 der 57 Angeklagten. Davon sind drei auf freiem Fuß, während der Rest in Untersuchungshaft sitzt. Mascharipow wurde von mehreren Polizisten in den Saal geführt.

Usbeke bekannte sich zu der Tat

Der 34-jährige Usbeke war zwei Wochen nach dem Anschlag in einer Wohnung am Westrand Istanbuls gefasst worden. Gegenüber der Polizei bekannte er sich zu der Tat. Ihm drohen wegen „Mordes“ und „Versuchs zum Umsturz der verfassungsmäßigen Ordnung“ bis zu 40 Mal lebenslang. Unter den Mitangeklagten ist auch seine Ehefrau Sarina Nurullajewa.

Der Attentäter hatte kurz nach Mitternacht den Nachtclub am Bosporus-Ufer gestürmt und 39 Menschen erschossen und 79 weitere verletzt. Die meisten der Opfer waren arabische Touristen, die dort Silvester feierten. Erst als dem Schützen die Munition ausging, floh er aus dem Nachtclub, nahm ein Taxi und tauchte unter. Erst nach zweiwöchiger Suche wurde er gefasst.

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Die IS-Miliz bekannte sich in einer Erklärung zu dem Anschlag. Es war das erste Mal, dass die Extremistengruppe ein Attentat in der Türkei beanspruchte, auch wenn ihr wiederholt Angriffe in Istanbul zugeschrieben worden waren. So wurde sie für den Anschlag auf eine deutsche Reisegruppe im Jänner 2016 und einen Angriff auf den Atatürk-Flughafen im Juni 2016 verantwortlich gemacht.

Dass sich Mascharipow anders als andere IS-Attentäter weder bei dem Attentat noch bei seiner Festnahme in die Luft sprengte, führte zu Spekulationen, dass er die Tat für Geld verübt haben könnte. Ungewöhnlich war auch, dass er sich mit Frau und Kind in der Türkei aufhielt. Nach der Tat holte er bei seiner Frau zunächst seinen kleinen Sohn ab, bevor er untertauchte.

Anweisung eines hohen russischen IS-Mitglieds

Mascharipow gab im Verhör an, den Anschlag auf Anweisung eines hohen russischen IS-Mitglieds namens Islam Atabajew alias „Abu Jihad“ begangen zu haben. Ein anderer Drahtzieher wurde nach US-Angaben in Syrien getötet. Mascharipow wollte zunächst den Taksim-Platz angreifen, entschied sich aber in letzter Minute wegen der hohen Sicherheitsvorkehrungen dagegen.

Der Nachtclub „Reina“ wurde nach dem Anschlag geschlossen und im Mai auf Anweisung der Stadtverwaltung wegen Verstößen gegen Bauvorschriften abgerissen. (APA/AFP)


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