Bezirk Kufstein

AMS Kufstein: Von der Behörde zum Dienstleister

AMS-Leiter Hansjörg Steinlechner packt bereits die ersten Kartons: Mit 1. März 2018 geht er in Pension.
© Mühlanger

Nach 26 Jahren als Leiter des Arbeitsmarktservice Kufstein geht Hansjörg Steinlechner am 1. März 2018 in Pension. Seine Stellvertreterin Margit Exenberger wurde nach drei Hearings zu seiner Nachfolgerin gekürt.

Von Michael Mader

Kufstein –Mit einem lachenden und einem weinenden Auge nimmt Hansjörg Steinlechner Abschied vom Arbeitsmarktservice (AMS) Kufstein, dem er 26 Jahre lang als Leiter und zehn Jahre als stellvertretender Leiter vorstand. Mit einem lachenden, weil er noch mehr seinen Hobbys Skifahren, Skitourengehen und Golfen nachgehen kann, mit einem weinenden, weil ihm seine Mitarbeiter sehr ans Herz gewachsen sind. Als Steinlechner hier vor insgesamt 41 Jahren anfing, hieß es noch Arbeitsamt und war eine Behörde. Mittlerweile hat sich das AMS Kufstein zum Dienstleistungszentrum mit 47 Mitarbeitern entwickelt.

„Das war für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Paradigmenwechsel, der sehr gelungen ist“, erinnert sich Steinlechner. Regelmäßig würden Kunden von einem externen Institut befragt, wie zufrieden sie mit den Dienstleistungen des AMS seien. Kufstein habe dabei in all den Jahren immer hervorragend abgeschnitten.

Alleine im Jahr 2016 wurden 6767 freie Stellen und 623 freie Lehrstellen akquiriert. 11.155 Rat- und Arbeitssuchende wurde durch Vermittlung, Beratung, Fördermaßnahmen und Existenzsicherung unterstützt. Des Weiteren wurden 5172 Besucher des Berufsinformationszentrums betreut, fast 7,9 Millionen Euro für arbeitsmarktpolitische Förderungen ausgegeben und mehr als 34 Millionen Euro an Versicherungsleistungen bemessen und angewiesen.

Seiner designierten Nachfolgerin Margit Exenberger streut er Rosen: „Sie hat das immer sehr gut gemacht, mich unterstützt und war in meine Entscheidungen immer eingebunden.“ Dass Exenberger ab 1. März 2018 neue Leiterin des AMS in Kufstein ist, war aber trotz ihrer 26-jährigen Tätigkeit als Steinlechners Stellvertreterin keinesfalls selbstverständlich. Die Stelle wurde intern ausgeschrieben, drei Hearings waren vorgeschrieben: beim Regionalbeirat, bei der Begutachtungskommission und beim Landesdirektorium des AMS.

Steinlechner ist bereits seit einem Jahr in Altersteilzeit, die Geschäfte laufen seit dieser Zeit de facto über Exenbergers Schreibtisch.

„Lange Zeit wurde der Erfolg des AMS an Arbeitslosenquoten gemessen. Maßgeblich für die Arbeitsmarktentwicklung sind die gesamtwirtschaftliche Situation, die Arbeitskräfte­nachfrage und das Arbeitskräfteangebot. In all den Jahren ist es uns gelungen, viele Betriebe vom Service des AMS zu überzeugen“, erklärt Exenberger.

„Ob wir erfolgreich sind, zeigen viele Kennzahlen. Wir sind inzwischen zu einem zahlengesteuerten Unternehmen geworden“, meint Steinlechner. Viele Managementmethoden der modernen Wirtschaft würden für Steigerungen in der Geschäftsstelle eingesetzt werden. Steinlechner: „Dazu gehören jährliche Managementvereinbarungen, arbeitsmarktpolitische Zielvorgaben und eine ausgeklügelte so genannte Balanced Scorecard.“ Mittels Letzterer erhält das AMS Kufstein Bonuszahlungen, die auch an die Mitarbeiter weitergegeben werden.

Während Steinlechner das AMS bislang stark nach außen vertreten hat und auch viel Kontakt zu den Betrieben hatte, war Exenberger sozusagen für den Innenbereich zuständig. Das wird sich jetzt ändern: „Mein Fokus wird auf dem Kontakt zur Wirtschaft liegen, damit wir den Arbeitsmarkt optimal abbilden können. Es gibt aber auch einige wichtige interne Projekte, denen ich mich widmen werde. Hier vor allem der Lösung unseres Raumproblems“, sagt Exenberger. Alle Beratungen finden derzeit nämlich in Doppelzimmern statt. Im Keller stünden aber Räume leer, die umgebaut werden könnten. Das sei aber noch nicht abgesegnet worden.

Steinlechner nützt die Tage vor Weihnachten auch, um Bilanz zu ziehen: „Ich habe immer versucht, die Betriebe wie auch die arbeitssuchenden Menschen zu unterstützen. Für mich standen die Menschen und die Betriebe im Mittelpunkt meines Handelns. Ich habe immer darauf geschaut, dass Arbeit angenommen wurde, wenn es eine gab – damit das soziale Netz nicht zu Unrecht ausgenützt wird. Allein im Jahr 2016 wurden 1240 Sanktionen bzw. Streichungen nach dem Arbeitslosenversicherungsgesetz vorgenommen.“

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