Neue Regierung bringt neue Strategie für den Sport
Das Sportressort wandert wie angekündigt von der Landesverteidigung ins Vizekanzleramt, als Straches Referent tritt dabei der Tiroler Philipp Trattner auf.
Von Florian Madl
Innsbruck — „Man kann nicht der Diener zweier Herren sein", meinte Philipp Trattner gestern nach der Regierungsangelobung und gibt damit ein Stück weit die Richtung des Sportressorts der Zukunft vor. Der 39-jährige Tiroler, der ein Sportmanagement-Studium in Innsbruck absolvierte, wird aus seinem Amt als Generalsekretär des Österreichischen Basketballverbands scheiden. Nicht zuletzt waren es in der Vergangenheit „Unvereinbarkeiten", die im Zusammenhang mit der Sportförderung Kritik ernteten. Das neue Regierungsprogramm ist allgemein gehalten, doch so manche Konsequenz für den Sport scheint absehbar:
1.) Förderungen: Die wohl dringlichste Frage im Jahr der Olympischen Winterspiele (Pyeongchang) und Heim-Weltmeisterschaften (Straßenrad, Klettern/jeweils Tirol). Die neue politische Situation wirkt sich für die Sportler vorerst allerdings nicht aus, wie Österreichs Rodelpräsident Michael Bielowski festhält: „Die Förderungen für 2018 wurden wie üblich schon beschlossen."
2.) Förderung neu: Ab 1. Jänner 2018 tritt zudem das neue Bundessportförderungsgesetz als Kapitalgesellschaft in Kraft. Die FPÖ hatte bereits im Juni kein gutes Haar an der von SPÖ und ÖVP beschlossenen Reform gelassen, eine Reform der Reform scheint bevorzustehen. „Mangels klarer Mechanismen zur Abstimmung, beispielsweise mit den Ländern und ihren Einrichtungen, gibt es auch weiterhin keine Hebel, um unkoordinierte Doppel- und Mehrfachförderungen zu vermeiden", heißt es im Regierungsprogramm. Eine nationale Gesamtstrategie mit dem Titel „Sport Strategie Austria" soll folgen.
3.) Sportstätten: Die Infrastruktur soll im Rahmen des österreichweiten Sportstättenplans (Investitionsplan) anhand einer Prioritätenliste berücksichtigt werden, die Tiroler 50-m-Schwimmhalle bleibt ein Thema.
4.) Transparenz: Kriterien sollen festgelegt werden, die Verschärfung der Compliance-Regeln für Funktionsträger im Sport („insbesondere bei der Förderadministration") wird ins Auge gefasst.
5.) „Haus des Sports": Informationen und Daten zum Sport in Österreich sollen künftig systematisch erhoben und in einer Sportförderdatenbank (Bund/Länder/Gemeinden) zur Verfügung gestellt werden. Ebenfalls geplant: Ein „Haus der Geschichte des Sports" mit einer Darstellung der heimischen Erfolgsgeschichte.
6.) Ehrenamtlichkeit: Bessere Rahmenbedingungen sollen künftig für das Ehrenamt geschaffen werden. Das gilt für die Haftungsfrage wie für eine Öffnung des freiwilligen Jahres für Institutionen des Sports. Eine Forderung in diese Richtung hatte bereits die Bundessportorganisation erhoben. Ein Punkt: „Die Anerkennung ehrenamtlicher Tätigkeiten in Form steuerlicher Vorteile und als Qualifikationskriterium bei Personalauswahlverfahren öffentlicher Auftraggeber."
Kernpunkte im Regierungsprogramm
1. Bessere strategische Steuerung der Sportförderung durch eine übergeordnete nationale Sportstrategie sowie eine schlanke Abwicklungsstruktur.
2. Richtige Rahmenbedingungen für Erfolge im Spitzensport schaffen.
3. Sport und Bewegung als Grundlage für eine gesunde Lebensführung stärken.
4. Junge Menschen für Sport und Bewegung begeistern — Förderung des Universitätssports.
5. Sport als Querschnittsmaterie: Die vielfältigen Potenziale des Sports für Wohlstand und gesellschaftlichen Zusammenhalt nutzen.