Natur des Jahres 2 - Skorpionsfliege, Tigerschnegel, Rosenstreifling
Wien (APA) - Gefährlich klingt der Name des vom Naturschutzbund und der Österreichischen Entomologischen Gesellschaft erwählten „INSEKT des ...
Wien (APA) - Gefährlich klingt der Name des vom Naturschutzbund und der Österreichischen Entomologischen Gesellschaft erwählten „INSEKT des Jahres“: Gemeine Skorpionsfliege. Doch was vermeintlich ein bedrohlicher Giftstachel ist, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als männliches Kopulationsorgan und ist somit für Menschen und andere Lebewesen harmlos.
Die Fliegen haben charakteristisch dunkle Flügelzeichnungen, meist in Form von Bändern. Sie kommen im Gebüsch, auf Lichtungen in Wäldern, in Brennnesselstauden und auf Wiesen vor. In der Luft nur mäßig geschickt, klettern sie umso besser und können sich sogar auf Spinnennetzen fortbewegen. Bei Gefahr verlegen sie sich aufs Verstecken. Neben reifen Beeren und Obst frisst die Skorpionsfliege Aas von Insekten und Fischen.
Auch die „SPINNE des Jahres“ ist für Menschen keine Gefahr. Die Fettspinne verdankt ihren Namen einem fettig-glänzenden Aussehen vor allem am Hinterleib. Bei einer Körpergröße von vier bis sieben Millimetern ist sie in verschiedenen Brauntönen gefärbt. Sie baut dreidimensionale Deckennetze mit nach unten hängenden Fangfäden, die als einzige mit Klebetropfen versehen sind. Fettspinnen kommen in und an Gebäuden in ganz Mitteleuropa vor und sind recht häufig. Sie fressen kleine Insekten und andere Spinnen. Ihre Ernennung, die übrigens europaweit zählt, verdankt sie 83 Arachnologen aus 26 Ländern. In Österreich wurde die Wahl vom Naturhistorischen Museum Wien koordiniert.
Der Tigerschnegel ist zwar hierzulande recht verbreitet, trotzdem aber eher unbekannt. Der Titel „WEICHTIER des Jahres“ soll ihm zu mehr Ruhm verhelfen, meinen der Naturschutzbund und die Malakologen (Weichtierexperten) der Universität Salzburg. Er ist eine große Nacktschnecke, die Eier und Jungtiere einer ungeliebten Verwandten verzehrt, der „Spanischen Wegschnecke“, die sonst kaum Feinde hat und sich massenhaft vermehrt. Mit bis zu 20 Zentimetern ist der Tigerschnegel eine der größten Weichtiere Europas. Für Gärtner ist er keine Plage, da er außer anderen Schnecken und ihren Gelegen nur Pilze und Aas frisst.
Zur „BLUME des Jahres“ kürte der Naturschutzbund den „Langblättrigen Ehrenpreis“. Er säumt Flüsse an naturnahe Flussauen. Dieser Lebensraum sei einer der stärksten bedrohten Ökosysteme in Österreich. Rund drei Viertel des auch für den Hochwasserschutz und CO2-Speicherung wichtigen Auenbestandes seien bereits verschwunden. Die lila Blüten des Langblättrigen Ehrenpreis sind im Hochsommer zu bewundern und traubenförmig. Oft laben sich Bienen, Hummeln und Fliegen an ihrem Nektar. Er ist auch als Garten- und Balkonpflanze beliebt.
Von Totholz der Weiß-Tanne ernährt sich der „PILZ des Jahres“, nämlich der Gestielte Tannen-Schwarzborstling. Seine Fruchtkörper sind dunkelbraun gefärbt, haben Becher- oder Teller-Form und einen dünnen Stiel. Er kommt in Europa, Amerika und Asien vor, ist aber alles andere als häufig. Deshalb gilt er etwa in Österreich als stark gefährdet. Auf diese Tatsache will die Österreichische Mykologische Gesellschaft mit seiner Ernennung aufmerksam machen.
Als dichte, bis zu zehn Zentimeter hohe Polster an schattigen, feuchten Felsen wächst das „Echte Apfelmoos“. Über diese hinaus ragen kugelige Kapseln. Es verbreitet sich durch Sporen und wurde vom Naturschutzbund Österreich und der Bryologisch-lichenologischen Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa zum „MOOS des Jahres“ gekürt, ebenso wie einen anderen Felsbewohner namens „Fransen-Nebelflechte“ zur „FLECHTE des Jahres“. Sie hat graue bis weißliche runde „Lager“ und erreicht meist etwa fünf Zentimeter Durchmesser. In der Sonne kann sie völlig austrocknen und monatelang in einen Ruhezustand verfallen.
Auch Kulturpflanzen können zu Ruhm und Ehren kommen, so wie der „Salzburger Rosenstreifling“ als „STREUOBSTSORTE des Jahres“. Da er immer mehr aus den Obstwiesen der Salzburger Bauern verschwindet, hat ihm ARGE Streuobst zu diesem Titel auserlesen. Es handelt sich hierbei um eine rote Apfel-Variante, die man frisch genießen oder für Saft und Most pressen kann. Die Bäume sind hinsichtlich des Bodens anspruchslos, bevorzugen aber sonnige Hänge.
(S E R V I C E - Internet: http://naturschutzbund.at/natur-des-jahres.html)
(AVISO: Bilder der Natur des Jahres zum Download unter http://naturschutzbund.at/natur-des-jahres.html)