Das Jahr der legendären Toten
Mit ihnen starb eine Epoche: 2018 jähren sich die Todestage von Gustav Klimt, Egon Schiele, Koloman Moser und Otto Wagner zum 100. Mal. Entsprechend voll ist der Ausstellungskalender – nicht nur in Wien.
Innsbruck, Wien –Das größte Freiluftmuseum für sein Werk ist die Stadt selbst: Otto Wagners Bauten der Wiener Stadtbahn haben die Stadtlandschaft entscheidend geprägt, u. a. die Station Karlsplatz, sie ist eine Ikone des Wiener Jugendstils. Zu den bedeutendsten Bauten Wagners, der bereits zu Lebzeiten als Stararchitekt gefeiert wurde, zählen auch die Wiener Postsparkasse oder die Kirche am Steinhof, Schlüsselbauten auf dem Weg vom Historismus zur Moderne. Der 100. Todestag Wagners (er starb am 11. April 1918) ist Anlass für einige Ausstellungen, u. a. im Wien Museum, wo ab 15. März der „Weltstadtarchitekt“ Wagner, seine Wegbegleiter und Gegner sowie sein künstlerisches und politisches Umfeld beleuchtet werden sollen.
Das MAK zieht ab 30. Mai mit einem Blick auf Wagners Zeitgenossen und nachfolgende Generationen nach: „Post Otto Wagner – Von der Postsparkasse zur Postmoderne“. Ebendort steht ab 19. Dezember auch der Mitbegründer der Wiener Werkstätte, Koloman Moser, im Zentrum. Der Universalkünstler und bedeutende Vertreter des Jugendstils starb am 18. Oktober des Jahres 1918, das als Todesjahr zweier weiterer Ausnahmekünstler der Wiener Moderne das Ende einer Epoche markiert. Auf Gustav Klimt (gestorben am 6. Februar 1918) und Egon Schiele (gestorben am 31. Oktober 1918) trifft Moser aber nicht nur in Wien, auch das Linzer Lentos führt ab 16. Februar „Klimt – Moser – Schiele“ in einer mit 75 Werken bestückten Schau zusammen.
Die Wiener Werkstätte mit ihren Protagonisten wie Koloman Moser, Josef Hoffmann oder Dagobert Peche steht übrigens noch bis Ende Jänner auch im Zentrum einer Ausstellung in Ronald Lauders Neuer Galerie in New York, Epizentrum des Gedenkjahres an die Künstler der Wiener Moderne bleibt – zumindest aus europäischer Sicht – freilich Wien, wo das Leopold Museum seinem Hausgott Egon Schiele ab 3. März „Die Jubiläumsschau“ widmet und ihn zudem in „Schiele – Brus – Palme“ mit Günter Brus und Thomas Palme in Dialog treten lässt. Die Orangerie im Unteren Belvedere verspricht ab 19. Oktober mit „Egon Schiele – Wege einer Sammlung“ eine „historische Spurensuche, kulturpolitische Recherchen sowie Ergebnisse forensischer Bildforschung“.
Auch Gustav Klimt steht 2018 sowohl im Leopold Museum (ab 22. Juni) als auch im Unteren Belvedere auf dem Programm, Letzteres will mit „Klimt ist nicht das Ende. Aufbruch in Mitteleuropa“ (ab 23. März) der Frage nachgehen, welche Auswirkungen das Ende des Ersten Weltkrieges auf die Kunst der Donaumonarchie und der neu entstandenen Nationalstaaten hatte. Da kommen denn mit Klimt, Moser, Schiele noch einmal fast alle zusammen – gezeigt werden aber auch Werke u. a. von Oskar Kokoschka, Albin Egger-Lienz oder Friedl Dicker-Brandeis. Anlässlich der EU-Ratspräsidentschaft Österreichs wird die Schau unter dem Titel „Beyond Klimt“ ab September im Palais des Beaux-Arts in Brüssel zu sehen sein. (jel)