Die gute Geschichte: “Renas geben wir nicht mehr her“
Nach seiner Flucht aus Syrien lebt Renas Darwish nun in Tirol seine Passion als Kindergarten-Assistent.
Axams –Viele Erwachsene, die den Kindergarten Elisabethinum Axams das erste Mal betreten, wünschen sich wahrscheinlich: „Könnte ich noch einmal für einen Tag Kind sein, dann würde ich hier gerne mit meinen Freunden von damals spielen, malen und herumtoben.“ Jede der zwei Krippen- bzw. sechs Kindergartengruppen hat ihren individuellen Charme: In einer gibt es eine Galerie mit Kuschelecke, in zwei anderen kann man die Arbeit am Nachbarbauernhof mitverfolgen bzw. Pferde und Ponys beobachten, und fast alle haben eine Spielhöhle, die sich in viele verschiedene Schauplätze verwandeln kann.
Die Gruppe sechs ist aus mehreren Gründen „volle cool“ – wie Kinder sagen würden, denn: Hier sind gleich zwei Kindergarten-Assistenten am Werk. Einer von ihnen, Renas Darwish, hat erst vor Kurzem seine Ausbildung abgeschlossen und gehört seit Anfang September zum Team: „Ich bin Carmen Neuner, die den Kindergarten leitet, sehr dankbar, dass ich mit so tollen Kolleginnen und Kollegen hier im Elisabethinum zusammenarbeiten kann. Jeder Tag ist eine Chance zum Lernen für mich.“
Der gelernte Klimatechniker ist ein echter Familienmensch: Zu Hause in Syrien hat er viel Zeit mit seinen Nichten und Neffen im Haus seiner Eltern verbracht. Doch vor zwei Jahren musste er aus seiner Heimat fliehen. Während der Zeit als Asylwerber hat Renas Darwish neun Monate lang freiwillig in einer Volksschule und einem Kindergarten in Innsbruck mitgeholfen. So ist sein Wunsch entstanden, mit Kindern zu arbeiten.
Deutsch zu lernen war dem heute 25-Jährigen von Anfang an sehr wichtig: „Für mich ist das eine Frage des Respekts vor dem Land, in dem ich jetzt lebe – und vor den Menschen hier.“ Als ausgesprochen freundlicher und offenherziger junger Mann knüpft er schnell neue Kontakte, von denen viele mittlerweile zu guten Freundschaften geworden sind. Renas Darwish ist gerne mitten unter Menschen. In einer Wohngemeinschaft in Innsbruck hat er ein neues Zuhause gefunden. In seiner Freizeit spielt er in einer Band: „Es macht mir große Freude, mit meiner Saz – einer Art Gitarre – zu improvisieren und zusammen mit Harfe, Geige und Trommel kurdische, österreichische und arabische Musik zu spielen.“
Dass Renas Darwish ein eher spontaner Typ ist, ist im Kindergarten ein großer Vorteil. Grundsätzlich möchte er den Kindern eine zuversichtliche Lebenseinstellung vermitteln: „Es braucht nicht viel, um zufrieden zu sein.“ Und für seine Arbeit im Kindergarten hat Renas Darwish eine eigene Philosophie: „Was brauchen die Kinder, damit sie gut groß werden können? Zeit zum Spielen. Zeit zum Lernen. Und viele Gelegenheiten, selbst die Welt entdecken zu können – durch Ausprobieren.“ Apropos ausprobieren: Renas Darwish möchte – da er nun in Tirol lebt – gerne Skifahren lernen, das wäre eine ganz neue und spannende Erfahrung für ihn. (TT)