Grasser-Prozess - Ex-Finanzminister als Steher und Purist

Wien (APA) - Der Untreueprozess im Wiener Straflandesgericht gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und 13 weitere Angeklagte in den Cau...

Wien (APA) - Der Untreueprozess im Wiener Straflandesgericht gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und 13 weitere Angeklagte in den Causen Buwog/Terminal Tower Linz geht in die zweite Woche. Hier einige Splitter aus dem Großen Schwurgerichtssaal:

- Grasser als Steher: Wenn Richterin Marion Hohenecker im Großen Schwurgerichtssaal Platz nimmt, musst das Filmen und Fotografieren eingestellt werden. Genau so lange wartet Grasser stehend neben seinem Platz auf der Anklagebank und setzt sich erst, sobald die Kameraleute und Fotografen ihre Arbeit eingestellt haben.

- Grasser als Purist: Er habe keinen Arbeitgeber, keine Auto und kein Haus, beschrieb Grasser auf Nachfrage von Richterin Marion Hohenecker zu Prozessbeginn seine finanzielle Situation. Wie viel Vermögen er abgesehen davon hat, wollte Grasser (wie mehrere weitere Angeklagte auch) nicht verraten. Im Gegensatz zu den angeklagten Ex-Lobbyisten Walter Meischberger und Peter Hochegger, die vom Staat bezahlte Pflichtverteidiger haben, vertraut Grasser gleich auf zwei von ihm entlohnte Staranwälte.

- Richterin Marion Hochenecker gibt Einschulung in Feminismus: „Es entspricht nicht dem Zeitgeist, einer Richterin die Meinung des Ehemanns kritiklos umhängen zu wollen“, belehrte sie Grasser-Anwalt Manfred Ainedter, der sie wegen Tweets ihres Ehemannes zur Causa Grasser als befangen bezeichnete.

- Grauzone zwischen Journalismus und PR: Auf den Rängen die für die Journalisten vorgesehen sind, nimmt auch regelmäßig ein Vertreter der Beratungsagentur Schneider

Minar

Jenewein Consulting Platz, die unter anderem als Geschäftsfeld Lobbying für Angeklagte hat. Auf Kritik von anwesenden Journalisten, dass der Agenturvertreter Sicht auf Unterlagen und Laptops der Berichterstatter habe, hieß es von Seiten des Straflandesgerichtes, man habe hier keine Handhabe, da der Agentur-Mitarbeiter einen Presseausweis hat.

- DJ Ainedter lautlos: Ein Highlight des Eröffnungsplädoyers von Grasser-Anwalt Ainedter scheiterte leider an der Tonanlage des Großen Schwurgerichtssaals. Er wollte das Schmählied „Karl-Heinz“ mit der Liedzeile „Wann geht der Karl-Heinz endlich in Häfn?“ (Gefängnis auf wienerisch, Anm.) der Liedermacher Christoph & Lollo vorspielen, doch leider kam kein Ton.

- „Geld, Gier, Geheimnisse“ vs. „Zeugen, Daten und Fakten“: Anklage wie Verteidigung versuchen bei den Schöffen mit einprägsamen Schlagworten zu punkten. Während die Korruptionsstaatsanwaltschaft „Geld, Gier, Geheimnisse“ bei den vier Hauptangeklagten vermutet, setzt die Verteidigung auf „Zeugen, Daten und Fakten“. Wobei - gemessen an den Reaktionen im Saal - Grasser Verteidiger Ainedter bisher den besten Sager landete: „Geld war für Karl-Heinz Grasser nie eine Triebfeder“.

- Design vs. bodenständig. Dass Verteidiger Michael Dohr schrille Anzüge liebt, ist branchenbekannt. Beim Grasser-Prozess hat er sich aber selbst übertroffen. Am ersten Tag trug er einen Anzug von Vivienne Westwood mit Geldnotenaufdruck, am Tag zwei fiel seine Wahl auf Designer Moschino. Den Kontrapunkt dazu setzte Ex-Lobbyist Peter Hochegger, der stets salopp im Pullover vor der Richterin erschien. Möglicherweise war am Tag seines Teilgeständnisses die Farbwahl nicht ganz zufällig - er entschied sich für rot.

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