Koalition - Bundestheaterholding-Chef Kircher will „Weg fortsetzen“

Wien (APA) - Die Bundestheaterholding soll laut Regierungsprogramm „neu aufgestellt“ werden. Aus diesem Anlass sprach die APA am Tag der Ang...

Wien (APA) - Die Bundestheaterholding soll laut Regierungsprogramm „neu aufgestellt“ werden. Aus diesem Anlass sprach die APA am Tag der Angelobung der neuen Regierung mit Holding-Geschäftsführer Christian Kircher über Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft der größten Kulturinstitution der Republik.

APA: Herr Kircher, die Bundestheater finden sich mit einem eigenen Punkt im Regierungsprogramm. Waren Sie überrascht?

Christian Kircher: Überrascht war ich nicht, denn überraschender wäre es gewesen, wenn sich die größte Kultureinrichtung des Landes nicht im Regierungsprogramm findet. „Neuaufstellung der Bundestheaterholding“ heißt der uns betreffende Punkt. Ich denke, dass diese Neuaufstellung vor einem Jahr begonnen hat, und wir jetzt einen Weg fortsetzen, der im Sinne des Eigentümers ist.

APA: Die Frage ist, ob dieser Weg auch im Sinne der neuen Bundesregierung ist. Haben Sie diesbezügliche Signale?

Kircher: Ich habe da noch keine Hintergrundinformationen. Ich glaube, dass man über eine Neuaufstellung redet, ist auch der Vergangenheit geschuldet, als die Holding nicht genug hingeschaut hat, was die Budgets der einzelnen Häuser betraf. Dieser Weg ist mittlerweile korrigiert.

APA: Angenommen, der eingeschlagene Weg soll fortgesetzt werden - was ist da noch offen?

Kircher: Die Neuausrichtung eines so großen Konzerns erfordert Zeit, wir sind dabei auf einem sehr guten Weg, der auch vom Rechnungshof etwa bei der Zusammenfassung von Buchhaltung und Personalverrechnung in der Holding ausdrücklich gewürdigt wurde. Offen sind noch einige Bereiche - von Informationstechnologien über Ticketing, wo es ein großes Projekt gibt, bis zum Immobilienmanagement.

APA: Wenn es um einen neuen Kurs geht - in welche Richtung könnte der gehen?

Kircher: Das wird sich in den ersten formalen Gesprächen wohl rasch klären. Ich glaube aber nicht, dass eine Rückdelegation der Verantwortung an die Bühnen der Überschrift des Regierungsprogramms entspricht.

APA: Gab es bei den vielen Evaluierungen und Prüfungen der vergangenen Jahre auch Vorschläge, ohne Holding auszukommen?

Kircher: Solche Stimmen kenne ich aktuell nicht. Die FPÖ hat zwar unmittelbar nach Bekanntwerden des Burgtheaterskandals die Zerschlagung der Holding gefordert, da ist aber so viel an Aufräumarbeit passiert, dass ich glaube, die Holding ist gut und solide aufgestellt.

APA: Das Schlagwort der letzten Zeit war „Strategische Managementholding“. Welche anderen Formate gäbe es?

Kircher: Ein anderes Format wäre eine operative Holding, die noch mehr Aufgaben wahrnimmt. Die Holding erledigt derzeit viele Aufgaben, die nicht leicht von den Häusern wahrgenommen werden können - etwa die Konzernrevision, die eine gute Ergänzung zu den laufenden Prüfungen des Rechnungshofes ist, die Erhaltung der Immobilien, das Controlling mit Ziel- und Leistungsvereinbarungen und detaillierte Planungen, die Verhandlung der Kollektivverträge für 2.300 Mitarbeiter und vieles mehr. Die Holding ist kein Selbstzweck. Dabei ist die Holding heute extrem schlank aufgestellt. Im Aufteilen dieser Aufgaben an das Ministerium und die Häuser sehe ich gar kein Einsparungspotenzial.

APA: Die erhoffte automatische Valorisierung findet sich nicht im Regierungsprogramm. Was bedeutet das für die Bundestheater?

Kircher: Das bedeutet für die Bundestheater, dass irgendwann wieder der Zeitpunkt gekommen sein wird, über eine Erhöhung der Basisabgeltung zu sprechen. Jährlich steigen die Personalkosten um 3,5 bis 4 Mio. Euro. Dieser Betrag ist durch vermehrte Karteneinnahmen nicht zu finanzieren. Wir haben derzeit eine Dreijahresplanung, die ein ausgeglichenes Budget bis 2020 vorsieht. Ohne Anpassung der Basisabgeltung ist mittelfristig der Weiterbetrieb nicht möglich.

APA: Haben Sie den neuen Minister Gernot Blümel schon kennengelernt? Etwa bei einem Theater- oder Opernbesuch?

Kircher: Nein, ich kenne ihn noch nicht persönlich.

APA: Was bedeuten die jüngsten Entscheidungen der Korruptionsstaatsanwaltschaft, bestimmte Vorwürfe gegen den Ex-Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann und Ex-Holding-Chef Georg Springer nicht weiter zu verfolgen, für die Bundestheater und die laufenden, auch zivilrechtlichen, Prozesse?

Kircher: Das bedeutet noch nichts, weil es noch immer Untersuchungen seitens der Staatsanwaltschaft gibt. Alles ist noch offen.

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)

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