Koalition - Androsch skeptisch, Wissenschaftsrat positiv gestimmt
Wien (APA) - Als „vage, inhalts- und substanzlos“ bezeichnete der Industrielle und Chef des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (R...
Wien (APA) - Als „vage, inhalts- und substanzlos“ bezeichnete der Industrielle und Chef des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT), Hannes Androsch, die Pläne der neuen Regierung in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Forschung. Einen weit positiveren Eindruck vom schwarz-blauen Programm hat der Chef des Wissenschaftsrats, Antonio Loprieno.
Androsch ortet in Österreich viel „Wissenschafts- und Bildungsarmut, aus der für viele Lebens- und Altersarmut resultiert“, so der Initiator des Bildungsvolksbegehrens, der gegenüber der APA erneut für eine Einführung des zweiten verpflichtenden Vorschuljahres und einen Ausbau der Ganztagsschulen plädierte. Weiters gelte auch: „Unsere Universitäten sind heillos unterfinanziert.“
Im Regierungsprogramm sieht Androsch keine tragfähigen Ansätze zur Behebung dieser Probleme, „weil die Finanzierung völlig ungeklärt ist“. Noch dazu lasse das Programm die Verankerung des oftmals geforderten und auch seitens der Politik in Aussicht gestellten Zieles vermissen, zukünftig zwei Prozent des BIP für den Hochschulbereich aufzuwenden. Trotz der Tatsache, dass Österreich in punkto Forschungsquote (derzeit 3,14 Prozent) „gut aufgestellt“ sei, bemängelte der RFT-Chef die mangelhafte Dotierung der Grundlagenforschung, „die wiederum hauptsächlich auf die Unterdotierung der Universitäten“ zurückzuführen sei.
Den neuen Bildungs- und Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) bezeichnete Androsch „als ausgezeichneten Fachmann“, der als Vizerektor der Universität Wien viel Erfahrung gesammelt habe. „Ob er aber mit der politischen Herausforderung im Umgang mit ungeistigen Lehrergewerkschaften und machtpolitisch orientierten Landeshauptleuten“ zurechtkommen wird, werde sich erst weisen. Es stelle sich die Frage, woher Faßmann „die politische Umsetzungskraft“ nehmen soll, sagte Androsch.
Eine „positive Überraschung“ hat hingegen der Chef des Wissenschaftsrats, Antonio Loprieno, angesichts der Regierungspläne im Forschungsbereich erlebt. Davor habe er doch eine gewisse Unsicherheit in der Wissenschaftslandschaft wahrgenommen.
So handle es sich etwa bei der angedachten „Exzellenzinitiative“ um einen Vorstoß, den das Beratungsgremium schon länger unterstütze. „Sehr positiv“ ist für Loprieno, dass im Universitätsbereich auf die Verschärfung der Zugangsregelungen und eine „echte Studienplatzfinanzierung“ gesetzt werde. Diese Punkte seien jedenfalls „im Sinne der Entwicklung der österreichischen Wissenschaftslandschaft“. Wie mehrere andere Vertreter wissenschaftlicher Institutionen sprach sich auch Loprieno für eine Stärkung der Grundlagenforschung aus.
Die Bestellung von Faßmann bezeichnete er als „Glücksfall“. Die Forschungspolitik liege damit „in den Händen eines wahren Fachmannes“. Es sei zu hoffen, dass sich der Wissenschafter Faßmann auch in seiner politischen Funktion durchsetzen könne.
Von der Regierung angestrebt wird auch die Zusammenlegung der drei Beratungsorgane der Regierung bzw. Ministerien RFT, ERA Council und Wissenschaftsrat. Loprieno hielte es für „durchaus sinnvoll“ hier eine „Konsolidierung“ herbeizuführen. Nicht verloren gehen sollten dabei jene „durchaus sinnvollen Aspekte, die diese drei Räte unterscheiden“.
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