Test

Ganz schön schräger Kombi

Hinter der Heckklappe des 6er GT verschwinden bis zu 1800 Liter.
© Letzner

Mit dem BMW 6er GT beweisen die Bayern, dass nicht nur klassische Kombis sehr funktional sein können. Zudem macht er jetzt schon im Stand eine gute Figur.

Von Lukas Letzner

Kühtai – Dass auch einem Autohersteller wie BMW nicht alles beim ersten Mal gelingen will, sieht man am Beispiel des 5er GT. Zwar kam er im Rest der Welt sehr gut an, zuhause polarisierte er die Fangemeinde allerdings wie kein anderer – vor allem wegen seines Aussehens. Irgendwie wirkte er, als ob man ein SUV, einen Kombi und ein Coupé einfach in einen Mixer geworfen hätte, und wie so oft sieht man die inneren Werte dann nicht mehr. Mit dem neuen 6er GT stellte man in Bayern die Uhren jetzt auf null, doch wie gelingt der Neustart?

Ein Skiausflug mit der Familie ist also überhaupt kein Problem.
© Letzner

Wow, war der beim Personal Trainer? Der Dickmann von einst absolvierte eine Design-Diät und steht jetzt fast neun Zentimeter länger (5,09 Meter) und zwei Zentimeter tiefer (1,54 Meter) vor uns. Zudem wurde das ausladende Heck neu modelliert und duckt sich ganze sechs Zentimeter tiefer in Richtung Asphalt. Das nennen wir jedenfalls eine Geglückte Schönheits-OP. So gern wir den bayerischen Dressman auch bewundern – fahren wollen wir ihn noch viel lieber. Also rein in das feine Gestühl.

Die Technik

Motor: Sechzylinder-Diesel

Hubraum: 2993 ccm

Drehmoment: 620 Nm bei 2000 U/min

Leistung: 195 kW/265 PS

L/B/H: 5091/1902/1540 mm

Gewicht: 1955/2580 kg

Kofferraumvolumen: 610 – 1800 l

Tankinhalt: 66 l

Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

0 – 100 km/h: 6,0 Sekunden

Verbrauch: 8,0 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: ab 69.650 Euro

CO2-Emission: 150 g/km

Bevor wir aber den Anlasser betätigen, lassen wir die Blicke noch kurz durch den luftigen Innenraum schweifen. Der Radstand wuchs auf über drei Meter (3,07 Meter) an, und so sitzt man hinten mindestens genauso bequem wie vorne. Außerdem steckt der Bayer bis zu 1800 Liter weg (im Standardtrimm 610 Liter). Die Armaturen wurden weitgehend vom neuen 5er übernommen, auch wenn das Arrangement im 6er noch ein wenig vornehmer wirkt. Das könnte aber an den üppigen Zusatzpaketen, über die unser Testwagen verfügte, liegen. Zentrale Elemente des Multimediasystems sind der Touch-Controller auf der Mittelkonsole und das 10,25-Zoll-Display, das jetzt als freistehender Monitor gestaltet ist und als Touchscreen genutzt werden kann. Nur mit der Gestensteuerung unseres 6ers standen wir ein wenig auf Kriegsfuß, denn ein Wechsel der Radiosender gelang uns höchstens ungewollt. Beeindruckend fanden wir die neue Head-up-Display-Generation, welche nun eine um 70 Prozent vergrößerte Projektionsfläche bietet.

Jetzt aber Motor an und raus aus der Garage. Seidenweich und fast lautlos setzt der Sechszylinder-Diesel die Befehle des rechten Fußes in Vortrieb um. Dank der Luftfederung (serienmäßig nur an der Hinterachse) gleitet das Dickschiff elegant und sanft über jede Bodenwelle, dazu bemühen sich die Aktivlenkung und Wankstabilisierung um zusätzliche Dynamik. Souverän und überraschend präzise lässt sich der Zweitonner durch jedes noch so kurvige Geläuf zirkeln. Dank seiner 265PS und der strammen 620Nm, die der 6er bei Bedarf auf seine vier Gummis verteilt, hat der Selbstzünder leichtes Spiel und sprintet in nur von sechs Sekunden auf Tempo 100. Zwar könnte das adaptive Fahrwerk für unseren Geschmack noch ein wenig straffer sein, doch über Geschmack lässt sich bekanntlich auch streiten. Die Achtgangautomatik liefert die Schaltstufen BMW-typisch äußerst präzise und blitzschnell.

Dass die Preisliste eine unendliche Zahl an Assistenzsystemen zu bieten hat, ist ja schon selbstverständlich. Zu den jüngsten Highlights zählen der Staupilot, das selbstständige Überholen auf der Autobahn, das ferngesteuerte Parken per Display-Schlüssel und die Gefahrenwarnung durch eine Vernetzung mit anderen BMW-Fahrzeugen. Das hat dann aber seinen Preis: 116.628 Euro kostete unser 6er.