1918/2018 - Die Gründung der Tschechoslowakei

Prag (APA/dpa) - Der Sprachen- und Nationalitätenstreit zwischen Deutschen und Tschechen spitzte sich in Böhmen bis zum Beginn des 20. Jahrh...

Prag (APA/dpa) - Der Sprachen- und Nationalitätenstreit zwischen Deutschen und Tschechen spitzte sich in Böhmen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts immer weiter zu. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, waren Verhandlungen über einen politischen Ausgleich gescheitert.

Der Philosophieprofessor Tomas Garrigue Masaryk war überzeugt, dass die österreich-ungarische Monarchie diesen Krieg nicht überstehen würde. Er strebte die Vereinigung der Tschechen mit den unter ungarischer Krone lebenden Slowaken in einem neuen Staat an.

Masaryk warb bei den Alliierten für seine Pläne. Frankreich erkannte daraufhin den tschechoslowakischen Nationalrat an. Es gelang die Bildung einer eigenen Exilarmee, die an der Seite der Entente gegen die Mittelmächte kämpfte. In Washington konnte Masaryk dann den noch zögernden US-Präsidenten Woodrow Wilson überzeugen. Wilson hatte in seinen „14 Punkten“ eine autonome Entwicklung für die Völker Österreich-Ungarns gefordert.

Im Pittsburgher Vertrag vom 30. Mai 1918 einigten sich tschechische und slowakische Exilgruppen auf die Grundlagen des neuen Staates. Darin sagte Masaryk den Slowaken eine autonome Verwaltung und Gleichberechtigung zu - ein Versprechen, das später abgeschwächt wurde. Nach der Volkszählung von 1921 stellten die Tschechen rund 50 Prozent, die Slowaken 15 Prozent und die deutschsprachige Minderheit 23 Prozent der Bevölkerung.

Die Tschechoslowakei wurde im Sommer 1918 als alliierte Macht anerkannt. Am 28. Oktober 1918 proklamierte der Tschechoslowakische Nationalausschuss, dem keine deutschen Vertreter angehörten, in Prag den eigenständigen Staat. Am 14. November wurde Masaryk zum ersten Staatspräsidenten gewählt. Die neue Zentralregierung konnte sich in den deutschsprachigen Randgebieten sowie in der Slowakei gegen Ungarn erst nach militärischen Auseinandersetzungen durchsetzen.