1918/2018 - Tschechien feiert 100. Jahrestag seiner Gründung groß
Prag (APA) - Tschechien steht ein großes Gedenkjahr bevor: Hundert Jahre werden am 28. Oktober 2018 seit dem Moment vergangen sein, als ein ...
Prag (APA) - Tschechien steht ein großes Gedenkjahr bevor: Hundert Jahre werden am 28. Oktober 2018 seit dem Moment vergangen sein, als ein unabhängiger tschechoslowakischer Staat auf den Trümmern der Donaumonarchie entstanden war. Zwar existiert die Tschechoslowakei nicht mehr, doch bekennt sich das heutige, „erst“ 25 Jahre alte Tschechien vehement zu diesem Jubiläum, als ob es sein eigenes wäre.
Ganz im Unterschied zu den Slowaken, die das Jahr 1918 lauer wahrnehmen und ihren „echten“ Anfang eher in der Abspaltung von Tschechien am 1. Jänner 1993 sehen.
Die geringere Begeisterung für das Jahr 1918 in der Slowakei geht vor allem darauf zurück, dass deren Gründer, der erste tschechoslowakische Staatspräsident Tomas Garrigue Masaryk und besonders sein Nachfolger Edvard Benes von einer „tschechoslowakischen Nation“ ausgingen, nicht von der „tschechischen“ und „slowakischen“. Für die Tschechen ist „Väterchen Masaryk“ ein „Befreier“ von der „morschen Monarchie“, weniger aber für die Slowaken.
Die unterschiedliche Wahrnehmung der „ersten tschechoslowakischen Republik“ (1918-1938) in Prag und Bratislava hindert aber die Nachfolgenstaaten nicht, zum Teil auch gemeinsam an das Jahr 1918 zu erinnern. Die Nationalmuseen beider Staaten bereiten eine tschechisch-slowakische Ausstellung vor, die im März in Bratislava eröffnet wird und im Oktober dann weiter nach Prag zieht. Die Schau soll der gemeinsamen Geschichte beider Völker und allen wichtigen Ereignissen, die sich auf ihrem Gebiet abspielten, gewidmet sein.
Eine eigene Ausstellung unter dem Namen „Gegründet 1918“ plant auch die tschechische Präsidentschaftskanzlei. Es werde sich um eine Ausstellung handeln, die es „auf der Prager Burg 100 Jahre nicht gegeben hat und weitere 100 Jahre nicht geben wird“, versprach Jan Novak von der Kanzlei von Staatspräsident Milos Zeman, laut dem erstmals „einzigartige Exponate“ ausgestellt werden sollten, etwa die Goldene Bulle aus dem Jahr 1212 oder der Majestätsbrief von Kaiser Rudolf II.
Zwischen Juli und September 2018 schickt das Prager Technische Museum den historischen „Präsidenten-Zug“ auf Schienen. Darunter soll auch der Salon-Waggon sein, den ursprünglich Thronfolger Franz Ferdinand für sich erbauen ließ und in dem nach 1918 die tschechoslowakischen Staatschefs unterwegs waren.
Einer der Höhepunkte der Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Gründung der Tschechoslowakei - außer der traditionellen Festversammlung im Vladislaver Saal der Prager Burg - soll eine Militärparade sein, die erst zweite seit dem Fall des Kommunismus 1989. Die erste fand im Oktober 2008 zum 90. Jahrestag der tschechoslowakischen Republik statt. Auch 2018 soll es sich um einen viel bescheideneren Marsch als in der kommunistischen Ära handeln, wo Militärparaden im großen Ausmaß nach dem sowjetischen Vorbild alle fünf Jahre zum Jahrestag des Weltkriegsendes 1945 stattgefunden hatten.
Die Teilnehmer der Militärparade 2018 sollten „das Beste“ sehen, was nicht nur die tschechische Armee, sondern auch Polizei, Feuerwehr und Rettungssystem zur Verfügung hätten, bestätigte der Militärhistoriker Eduard Stehlik. Unklar bleibt bisher der Ort des Geschehens. Vor 1989 fanden sie immer auf dem Prager Plateau Letna unweit der Prager Burg statt, im Jahr 2008 auf einer Straße beim Generalstabsgebäude. Der damalige Staatspräsident Vaclav Klaus habe sich nicht gewünscht, dass Panzer auf dem Weg nach Letna unter den Fenstern seiner Kanzlei unterwegs seien, hieß es.
Inwieweit die Person des Staatspräsidenten den Ort der Militärparade 2018 beeinflussen wird, bleibt abzuwarten. Im Jänner finden nämlich Präsidentschaftswahlen statt, bei denen ein Sieg von Amtsinhaber Zeman keine ausgemachte Sache ist. Faktum ist, dass Letna in den letzten Jahren so umgebaut wurde, dass ein Konvoi von schwer gepanzerten Militärfahrzeugen schwer durchzulotsen wäre.