1918/2018 - Estland, Lettland und Litauen feiern 100er
Graz (APA) - Für die baltischen EU-Staaten Estland, Lettland und Litauen bedeutet das Jahr 2018 die hundertste Wiederkehr ihrer Unabhängigke...
Graz (APA) - Für die baltischen EU-Staaten Estland, Lettland und Litauen bedeutet das Jahr 2018 die hundertste Wiederkehr ihrer Unabhängigkeit von Russland. Die Gedenkfeiern erstrecken sich über mehrere Jahre, denn in allen drei Ländern war es mit der im Jahr 1918 erfolgten Unabhängigkeitserklärung nicht getan.
Nach der Loslösung vom alten Russland 1918 folgten Jahre der blutigen Kämpfe zwischen Gegnern und Befürwortern des Kommunismus, die vor allem von Deutschland auf der einen und von der Sowjetunion auf der anderen Seite unterstützt wurden. Das Obsiegen der anti-kommunistischen Kräfte im Baltikum hat bis zum heutigen Tag Auswirkungen auf das Verhältnis zu Russland und - vor allem in Lettland und Estland - auch im Verhältnis zu den jeweiligen russischsprachigen Minderheiten im eigenen Land.
Litauen ist die einzige der baltischen Republiken, die schon damals aus einer jahrhundertelangen Staatstradition schöpfen konnte. Das offizielle Konzept der aktuellen Feierlichkeiten rankt sich um die Zahl Drei: Drei Geburtstage (1253, 1918 und 1990), drei symbolbeladene Nationalfarben (Gelb, Grün und Rot) und ein dreifaltiges Gedenkprogramm um die Schlagworte Lernen, Feiern und Erschaffen.
Auch Estland hat ein reichhaltiges Programm zusammengestellt und widmet diesem - wie die Schwesterrepubliken - eine umfassende Homepage. Zu den Projekten gehören eine breit angelegte Pflanzaktion von Deutschen Eichen (estnischer Nationalbaum, Anm.) in öffentlichen Grünanlagen und ein urbanes Gestaltungsprogramm für die städtischen Zentren in Estland, das einheimische Spitzenarchitekten in einem Team vereinen soll.
Die Eiche spielt auch bei den Unabhängigkeitsriten in Lettland eine Rolle. Dort wurden bereits heuer ringsum im Land 100 derartige Bäume gepflanzt. Insgesamt hat Lettland mit fünf Jahren (2017-2021) die längste Feierperiode der drei Länder. Das hat spezifische historische Gründe: 1917 fiel die Entscheidung der drei mehrheitlich lettischsprachigen Regionen Livland, Kurland und Lettgallen, einen gemeinsamen Nationalstaat zu gründen. Doch erst 1921 wurde Lettland international als eigener Staat anerkannt.
Die baltischen Staaten wollen zum Unabhängigkeitsjubiläum als historische Schicksalsgemeinschaft zwischen den Interessenssphären der Großmächte auch gemeinsame Akzente setzen. Beispielsweise kommt 2018 eine vom litauischen Künstler Justas Petrulis gestaltete Zwei-Euro-Münze heraus, deren Zopfmuster-Design die enge Verflechtung der drei Republiken in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft symbolisieren soll.
Papst Franziskus hat seine erste Baltikumreise ebenfalls für kommendes Jahr angekündigt. Die Reise, deren genauer Zeitpunkt (vermutlich Mitte September, Anm.) noch nicht feststeht, soll das katholische Kirchenoberhaupt in alle drei baltischen Staaten führen. Die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite bezeichnete die Pläne des Vatikans als „großes Geschenk“ für Litauen und seine nördlichen Nachbarn. Der Besuch erfolge angesichts der Unabhängigkeitsfeiern „zu einem schönen Zeitpunkt“.
In religiöser Hinsicht spiegelt das Baltikum die Vielfalt des Christentums wider. Während Litauen mehrheitlich katholisch ist, dominiert in Lettland wegen der starken russischen Minderheit die russisch-orthodoxe Kirche. In Estland sind die meisten Bürger ohne Religionsbekenntnis, jeweils ein Achtel bekennt sich zur evanglisch-lutherischen und zur russisch-orthodoxen Kirche.
(S E R V I C E: Detailinfos zu den geplanten Gedenkveranstaltungen in den einzelnen Staaten: http://lv100.lv/en; https://www.ev100.ee/en; http://www.lietuva.lt/100/en )