Juan Pablo wurde die Zukunft zurückgegeben
Am Krankenhaus Kufstein zogen alle an einem Strang, um einem schwer erkrankten 14-jährigen Schüler aus Bolivien zu helfen.
Von Wolfgang Otter
Kufstein –Für den 14-jährigen Juan Pablo Cruz Millares ist es wie ein Wunder – ein Weihnachtswunder. Der Jugendliche aus Bolivien kann heuer Weihnachten ohne Schmerzen feiern, kann wieder seinen Arm bewegen, hat wieder Hoffnung auf eine Zukunft. All das schien noch vor wenigen Monaten unmöglich. Unbeschreibliche Schmerzen musste der Bursch erleben und in seinem Heimatort Sucre, Hauptstadt von Bolivien, wussten die Ärzte nur noch einen Rat: den rechten Arm des Jugendlichen abzunehmen. Ein äußerst aggressiver Knochentumor hatte sich im Gelenk von Juan Pablo breitgemacht. Er konnte vor Schmerzen nicht mehr schlafen, zuletzt wollte er kaum mehr etwas essen. Dazu kam noch Zukunftsangst: Wer nur einen Arm in Bolivien besitzt, muss sich in das Heer der Armen einreihen und bittere Not leiden. Ganz abgesehen von den gewaltigen Kosten für die Operation, die die achtköpfige Familie belastet hätten.
Das Weihnachtswunder für Juan Pablo begann in der Person von Primar Bernhard Spechtenhauser, Leiter der Chirurgie am Krankenhaus Kufstein. Schon seit Jahren opfert der engagierte Mediziner seine Urlaubswochen, um nicht nur mit seinem großen Hilfsprojekt „Brillos“, sondern auch ärztlich mit Rat und Tat in Bolivien Menschen zur Seite zu stehen. Dabei lernte er den Jungen und seine Leidensgeschichte kennen. „Mir wurde gesagt, er hat Schulterschmerzen“, erinnert sich Spechtenhauser. Nach weiterer Abklärung stand bald fest: Der Junge war schwerstkrank. „Normal kann ich 99 Prozent der Operationen vor Ort organisieren. Das war aber in diesem Fall nicht möglich. Mir hat das keine Ruhe gelassen und ich dachte, da muss ich irgendwie helfen.“ Spechtenhauser sprach am Krankenhaus Kufstein mit seinem Kollegen Primar Helmut Breitfuß, Leiter der Unfallchirurgie, der sich bereit erklärte, die Operation kostenlos durchzuführen. Auch die Krankenhausführung stand zur Seite: Die Kosten für den Aufenthalt des Burschen werden vom Haus getragen. Den Flug nach Österreich organisierte Spechtenhauser über Privatgelder, „mit unserem Verein finanzieren wir in erster Linie Einrichtungen“, erklärt Spechtenhauser, warum er nicht darauf zurückgreifen wollte.
Vor drei Wochen kam Juan Pablo nach Kufstein. Die Operation war herausfordernd: „Es ging darum, das Gelenk zu erhalten. Die Operation ist aber komplikationslos verlaufen“, berichtet Breitfuß. Bald waren die Schmerzen verschwunden und der Appetit kehrte wieder zurück.
Gestern ging es für Vater und Sohn wieder zurück nach Bolivien. Mit Abschiedsschmerz: „Ich werde euch vermissen“, meinte Juan Pablo. Damit meinte er alle, die sich um ihn während des Aufenthalts gekümmert haben. Ein kleines Restrisiko für ein neuerliches Auftreten eines Tumors bleibt, daher werden die Kufsteiner Mediziner mit ihren Kollegen in Bolivien in Verbindung bleiben. Juan Pablo kann nun hoffen: auf noch viele Weihnachtsfeste und privates Glück.