“Alte Jungs“

Die Entdeckung der Autonomie

© Polyfilm

Andy Bauschs leichte Komödie über Altersdiskriminierung in Luxemburg im Kino.

Innsbruck –Wenn Fons (70), Lull (82), Nuckes (65) und Jängi (84) ihre Renten zusammenlegen würden, könnten sie 6000 Euro für eine gemeinsame Wohnung aufbringen, doch wir befinden uns im Großherzogtum Luxemburg, wo mit dieser Summe kein „autonomes Leben“ möglich ist.

Dieses Problem hatten bereits die Rentner in John Maddens Film „The Best Exotic Marigold Hotel“ oder in Stéphane Robelins „Und wenn wir alle zusammenziehen?“. Aber in Andy Bauschs Komödie „Alte Jungs“ leben die verrosteten Herren (Originaltitel: „Rusty Boys“) vorerst noch in einem Altersheim.

Nuckes (André Jung) versorgt anfangs als Hausmeister die Bewohner mit Alkohol, Zigaretten und Erwachsenenfilmen, zu besonderen Anlässen schleust er auch eine Prostituierte durch die dunklen Gänge der Anlage. Als der Schwarzhandel auffliegt, versetzt ihn die Heimleitung in den Ruhestand. Jängi (Fernand Fox), der dem Seniorenheim das Leben im Schrebergarten vorzieht, gewährt ihm Asyl und bald wird die karge Hütte zum Treffpunkt jener Rentner, die auf die Heimregeln mit Anarchie und Rebellion reagieren. Der ehemalige Taxifahrer Fons (Marco Lorenzini) hat schon sämtliche Heime hinter sich, Lull (Pol Greisch) treibt das Rauchverbot aus dem Heim. Außerdem ist der pensionierte Zahnarzt verliebt. Die Unterstützung seines Sohnes, der als Schauspieler ständig scheitert, hat seine finanziellen Reserven aufgebraucht.

Das Rentnerquartett verfolgt nicht unbedingt die Idee alternativer Lebensformen, doch die staatlich verwaltete Altersdiskriminierung zwingt die vier zum Handeln. Die Banken verweigern ihnen bescheidene Kredite, das zuständige Ministerium verlangt bei einem geförderten Wohnprojekt ausgebildete Betreuungskräfte, also das Gegenteil von dem, was sich Fons, Jängi, Lull und Nuckes unter Autonomie vorstellen. Über die Schrebergartenanlage rollen bereits die ersten Baumaschinen, um die Wildnis für die Zivilisation zu roden. Damit bleibt im Kampf um Würde nur noch die Flucht und die Eroberung eines neuen Kontinents. Diesem Kampf schließen sich einige Mitstreiterinnen aus Heim und Freundeskreis, die der Titel allerdings unterschlägt, an.

Andy Bausch lässt sein begnadetes Ensemble überwiegend auf Lëtzebuergesch reden, was dem Film in der Originalfassung zusätzliche Komik verleiht und den Figuren die Verhöhnung als lokale Sch’tis durch luxemburgische Bürger einbringt. Die „Alten Jungs“ sehen aber wirklich alt aus, wenn sie sich mit den Tücken neuer Technik wie Computern abmühen müssen, weil sich so schnelle Gags generieren lassen. (p. a.)