Brauchtum

Alte und neue Traditionen: Viele Wege führen ins neue Jahr

Sie wünschen am 5. Jänner Glück fürs neue Jahr: Die Glöcklerläufer, die in Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark Sterne und andere Zeichen auf ihren Schultern tragen.
© Heli Maierhofer (Stainacher Glöc

Mit modernen und traditionellen Bräuchen kann das neue Jahr gleich zweimal gefeiert werden.

Von Deborah Darnhofer

Innsbruck –Wer kennt ihn nicht, den trinkenden und torkelnden Diener? „The same­ procedure as last year?“, fragt Butler James seine Miss Sophie in „Dinner for One“, ein Schwarz-Weiß-Klassiker zum Jahreswechsel. Ja, jedes Jahr das Gleiche. Bräuche haben gerade zu Jahreswechsel Tradition. Blei wird gegossen, mehr als eine Rakete geschossen und Sekt genossen.

„Für den nicht minder verbreiteten Wunsch ,Prosit Neujahr‘ nehmen wir bei den alten Römern Anleihe“, weiß Buchautor Reinhard Kriechbaum („Borstenvieh und Donauwalzer“, Verlag Anton Pustet). „,Pro sit‘, es möge gut sein, es soll gedeihen, sagen wir in der Sprache des Gaius Iulius Caesar.“ Der berühmte Kaiser war es, der den Jahresanfang am 1. Jänner als Erster „amtlich“ festgelegt haben soll.

Brauchtum in Österreich von Gundi Bittermann erklärt ausgewählte österreichische Bräuche im Jahreskreis. Die Bilderreise ist im Servus Verlag erschienen, 224 Seiten, 26 Euro.
© Servus Verlag

Einer der wichtigsten Bräuche zum Neujahrstag ist seit jeher das Glück-Wünschen. Schlicht die Hand zu schütteln, reicht dabei nicht aus. Kriechbaum hat durch die Wirtschaftskammer Österreich herausgefunden, dass hierzulande zwischen zehn und 25 Euro pro Kopf für Glücksbringer ausgegeben werden. Ein Hufeisen darf aber „keinesfalls“ gekauft werden, „es will gefunden sein“, berichtet Kriechbaum. Das Kleeblatt steht hoch im Kurs. Nach dem Volksglauben schütze es „vor Zauber und Hexen, obendrein mache es ,hellsichtig‘“, hat der Ethnologe recherchiert.

Das Schwein hingegen galt früher nicht als Glücksbringer. „Der Teufel, so glaubte man, nehme gerne die Gestalt eines Schweins an.“ Im letzten Jahrhundert hat sich der Glaube allerdings verändert. Das Vieh und der Spruch „Schwein gehabt“ zeugen heute von Glück. Das gleiche Schicksal ereilte die Rauchfangkehrer, die es auch gerne zum Jahreswechsel als Figuren zu kaufen gibt. Der schwarze Ruß rückte sie ebenfalls in Teufels Nähe. Kriechbaum zufolge ließen sie sich das im 20. Jahrhundert aber nicht gefallen, überbrachten zu Neujahr die Jahresrechnung, einen Kalender und „verbanden dies mit den besten Glückwünschen“. So wurden sie allmählich zu Glücksbringern.

Wer nach Silvesterparty, Feuerwerk und Neujahrswünschen seine Ruhe sucht, tut dies bis Dreikönig vergeblich. Denn viele Rituale und Gepflogenheiten werden am 5. und 6. Jänner, der Nacht zum Dreikönigstag, noch heute zelebriert.

Da wären zum Beispiel die imposanten Leuchtfiguren der Glöcklerläufer, die in Ortschaften in Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark ihre Runden ziehen. Sie gehen unter Glockengeläut von Haus zu Haus, knien vor den Dorfbewohnern nieder und wünschen Glück fürs neue Jahr. „Der mystische Tanz mit den leuchtenden Kappen taucht als Heischebrauch erstmals um 1850 in alten Schriften auf“, berichtet Gundi Bittermann in ihrem Buch „Brauchtum in Österreich“ (Servus Verlag).

Borstenvieh und Donauwalzer von Reinhard Kriechbaum beleuchtet Geschichten und Bräuche rund um den Jahreswechsel. Verlag Anton Pus­tet, 240 Seiten, 19,95 Euro.
© Pustet Verlag

Caesar hin oder her, für die bäuerliche Gesellschaft war der Dreikönigstag seit jeher wichtiger. „Neujahr, wie wir es jetzt kennen, mit der Pummerin und Sekt-Anstoßen, das sind keine alten Bräuche. Das neue Jahr in Tirol hat bei der bäuerlichen Bevölkerung erst am 6. Jänner begonnen“, erzählt Ethnologin Petra Streng (zusammen mit Gunter Bakay, „Wilde, Hexen, Heilige“, Löwenzahn Verlag).

Die Drei Könige haben damit aber nichts zu tun, sie sind laut Streng auch erst später dazugekommen. Der 6. Jänner war ursprünglich der „Epiphaniastag“, der Tag, an dem Jesus im Wasser des Jordan getauft worden sein soll. „Erst dadurch trat die göttliche Erscheinung (Epiphanias) im Menschen Jesus zutage“, erklärt Streng. So markierte dieser Tag den Neubeginn.

Vielerorts, zum Beispiel im hinteren Zillertal oder in Stuhlfelden (Salzburg), gibt es daher am 5. Jänner Perchten- bzw. Tresterläufe. „Die Perchten im Zillertal sind aus der christlichen Tradition entstanden, hell gekleidet und eine Art Neujahrsboten“, weiß Streng.

Der Raketendunst mag längst verflogen sein, doch zu Dreikönig geht zudem der Rauch auf. Der 6. Jänner ist die letzte der weihnachtlichen Rau- oder Rauchnächte. Heim, Haus und Hof werden durch Weihrauch gereinigt und gesegnet. Diese Tradition lebt laut Streng gerade heutzutage wieder auf.