Gesundheit

Aromatherapie: Nicht nur für die Nase

Neben dem Klassiker Lavendel (l.) besitzt auch Zimt (r.) ätherische Öle. Das ist nicht nur weihnachtlich stimmungsvoll, sondern auch gesund.
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Düfte aus ätherischen Ölen werden im Gesundheitsbereich immer öfter verwendet. Die wahren Alleskönner helfen auch bei Alzheimer und Antibiotika-Resistenzen.

Von Philipp Schwartze

Innsbruck –Der Duft von Zimt und Tanne liegt in der Luft, eine Weihrauch-Note kommt dazu. Gerüche wecken Erinnerungen und Emotionen.

Dass Düfte so stark auf den Menschen wirken, macht sich immer öfter die Medizin zu Nutze. „In letzter Zeit merkt man, dass das Interesse größer wird, auch wenn die Aromapflege seit 1997 gesetzlich als Weiterbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege verankert ist“, sagt Birgit Krims vom Ausbildungszentrum West (AZW). Die Kinderkrankenschwester und Lehrende im Kranken- und Pflegebereich darf sich auch Aromakologin nennen.

Die Anwendung der so genannten Aromatherapie reicht von Kopfschmerzen bis zu psychischen Erkrankungen. Die ätherischen Öle aus Pflanzen, die den Duft entfalten, können etwa die Verdauung anregen oder das Immunsystem stärken, indem sie dessen Fresszellen „hungriger“ machen. „Die ätherischen Öle schützen Pflanzen vor Feinden in der Umwelt und helfen auch uns gegen Viren, Bakterien oder Pilze“, erklärt Krims.

Sie entstehen durch Wasserdampfdestillation oder durch Pressen, wie etwa bei Zitrusfrüchten. Durch ihre vielen verschiedenen Stoffe, aus denen ätherische Öle bestehen, bereiten sie Keimen den Garaus.

Besonders in der Pflege kommen sie immer mehr zum Einsatz, Phyto-Aroma-Pflege nennt sich dieser Bereich. „Wir verwenden 100 Prozent naturreine, pflanzlichen Duftöle“, sagt Krims.

Der große Vorteil von Düften ist ihre doppelte Wirkung: Einerseits erreichen die pflanzlichen Stoffe den Körper über Haut und Schleimhaut, andererseits auch über den Geruchssinn. „Der Mensch kann eine Billion Gerüche unterscheiden, das läuft meistens unbewusst ab“, erklärt die Aromakologin. Der Geruchssinn hat dabei eine direkte Verbindung zu zwei Hirnarealen – dem Hypothalamus und dem limbisches System. „Dort werden unsere Gefühle gebildet. Gerüche wirken ganz unmittelbar“, sagt Krims.

Deswegen gibt es vor allem bei Demenzkranken Erfolge: Durch bekannte Düfte wird ihre Erinnerung wieder angeregt. Auch in jüngeren Jahren sind verschiedene Aromen hilfreich: „Man kann Dufttraining machen, das steigert die Gedächtnisleistung und funktioniert auch mit Kindern gut.“

Die Anwendung ist dabei so vielfältig wie die Duftnoten selbst: von Duftsteinen oder Duftlampen über Massagen bis zu Tee. Sogar in Zäpfchen wirken ätherische Öle. Krims verwendet die Duftöle verdünnt: In ein Trägeröl, wie Mandel-, Oliven- oder Kokosöl, werden wenige Tropfen ätherische Öle gegeben.

Auch das Räuchern diente bereits früh der Gesundheit, wie Stephanie Cammerlander erzählt: „Fichtenharz enthält etwa ätherische Öle und wurde traditionell in Tirol verwendet, bis es vom importierten Weihrauch verdrängt wurde.“ Inzwischen sind Fichte, Zirbe oder Kiefer und auch heimische Blüten für Räuchermischungen wieder beliebter.

„Genau wie man sich eine Tablette einwirft oder eine Salbe bei Schmerzen verwendet, kann Räuchern über die Nase positiv wirken“, sagt Cammerlander, die sich seit zehn Jahren mit Räuchern beschäftigt. Weihrauch etwa wirke sowohl antibakteriell als auch auf psychischer Ebene.

In einem weiteren Medizin-Bereich könnten Düfte bald die Antwort sein, wie Krims erzählt: „Wir kämpfen zurzeit mit Antibiotika-Resistenzen, so dass nur noch wenige Antibiotika wirken.“ In Versuchen habe sich nun gezeigt, dass die Kombination von Antibiotika mit Düften diese Resistenzen umgehen kann. „Das wird noch ein ganz großes Thema werden“, ist sich Krims sicher.

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