Platter: „Zukunft der beiden Landesteile ist aber Europa“
Politik versucht Fahrt aus Diskussion über die Doppelstaatsbürgerschaft zu nehmen. Zahlreiche Telefonate zwischen Innsbruck, Bozen und Wien.
Von Peter Nindler
Innsbruck, Bozen — Die FPÖ macht Tempo und verbündet sich mit den patriotischen Kräften in Südtirol, um die Umsetzung der Doppelstaatsbürgerschaft voranzutreiben. Das bereitet wiederum der ÖVP und der Südtiroler Volkspartei Unbehagen. Schließlich geht es um die guten Beziehungen zu Italien. Deshalb laufen die Telefone zwischen Innsbruck, Bozen und Wien heiß. Die Signalwirkung des im Koalitionspakt verankerten Doppelpasses wurde offensichtlich heillos unterschätzt. Mitte Jänner soll deshalb ein Treffen der Landeshauptleute Günther Platter und Arno Kompatscher mit Bundeskanzler Sebastian Kurz stattfinden. Damit die Diskussion nicht ausufert und nicht in die falsche Richtung taumelt, wollen sie Fahrt herausnehmen.
Und wie beurteilt Platter die aktuellen Kontroversen? „Es ist erfreulich, dass sich im neuen Regierungsprogramm mehrfach ein deutliches Bekenntnis zur Schutzfunktion Österreichs für Südtirol befindet. Auch dass sich der Wunsch der österreichischen Minderheit in Italien nach der Möglichkeit für eine Doppelstaatsbürgerschaft darin wiederfindet, ist zu begrüßen." Trotzdem: Sollte es zu einer Umsetzung kommen, sind aus der Sicht Platters noch viele Details zu klären. Deutlich gibt er gegenüber der TT zu verstehen, dass „die Zukunft unserer beiden Landesteile aber Europa" sei. Die Europaregion Tirol bezeichnet der Tiroler Landeshauptmann als Beispiel der länderübergreifenden Zusammenarbeit in einem geeinten Europa. Solange es keinen europäischen Pass gebe, werde der Wunsch nach einer doppelten Staatsbürgerschaft jedoch aufrechtbleiben „und vom Land Tirol und mir unterstützt", sagt Platter abschließend.
Reaktionen:
Bergsteigerlegende Reinhold Messner: „Ich bin Südtiroler mit italienischem Pass und ich bin darauf stolz. Das ist lediglich politische Propaganda."
Bundeskanzler Sebastian Kurz (VP): „Mit der Entscheidung, die Wiedererlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft für Südtiroler ins Regierungsprogramm aufzunehmen, ist man einem Wunsch der Südtiroler nachgekommen."
Vizekanzler HC Strache (FP): „Es handelt sich um einen Wunsch aller Parteien in Südtirol. Man wird die Sache sicher gemeinsam mit Italien positiv klären."
Giovanni Malagó, Chef von Italiens Olympischem Komitee: „Ich kümmere mich um Sport und nicht um Politik. Ich werde jedoch nicht zulassen, dass unsere Athleten, die wir hier in Italien ausgebildet haben, unter österreichischer Fahne an Wettbewerben teilnehmen."
Manfred Weber, konservative EVP-Fraktion im EU-Parlament: „Ich fordere Österreich und Italien auf, so schnell wie möglich die Angelegenheit des Doppelpasses zu klären."