Max Lercher - steirischer Parteireformgestalter mit Links-Einstellung

Graz (APA) - Der neue Bundesgeschäftsführer der SPÖ, der aus dem Bezirk Murau stammende Max Lercher (32) aus der - vormals - fast unerschöpf...

Graz (APA) - Der neue Bundesgeschäftsführer der SPÖ, der aus dem Bezirk Murau stammende Max Lercher (32) aus der - vormals - fast unerschöpflichen roten obersteirischen Personalreserve - soll im Bund richten, was er in der Steiermark bereits vollzogen hat: die Partei organisatorisch neu aufstellen.

Geboren wurde Lercher am 24. September 1986 (die Partei-Homepage nennt sowohl Judenburg als auch Murau als Geburtsort), seine Familie ist im Bezirk Murau ansässig, genauer in St. Peter am Kammersberg. Wo er auch von 1993 bis 2001 die örtliche Volks- und Hauptschule besuchte, bevor er 2005 am BORG Murau maturierte. Von 2006 bis 2012 studierte er Politikwissenschaft an der Uni Wien und schloss mit dem Bakkalaureat ab. 2005 wurde er steirisches SJ-Mitglied, der er von 2008 bis 2013 vorsaß. Im Jahr 2010, nach dem zweiten Wahlsieg von SPÖ-Chef Franz Voves wurde er Landtagsabgeordneter und Europasprecher der SPÖ-Fraktion und saß in den Ausschüssen für EU, Umwelt und Wirtschaft. Am 1. Februar 2014 folgte er Landesgeschäftsführer Anton Vukan nach, er war seit 2012 von Voves beauftragter Koordinator der Parteireform in der Steiermark, die eine Öffnung auch für Nichtmitglieder brachte und die Bezirksapparate zu Regionen zusammenfasste.

Lercher dürfte Parteichef Christian Kern u.a. nach den Unwettern im obersteirischen Oberwölz im August 2017 aufgefallen sein, als er hemdsärmelig und mit Gummistiefeln LHStv. Michael Schickhofer und den damaligen Kanzler Kern bei einem kurzen Lokalaugenschein durch das Katastrophengebiet führte. Für Lercher gewohntes Terrain - seinen Zivildienst hat er bei der Feuerwehr geleistet.

Lercher wird als fleißiger Arbeiter mit linker Einstellung und als versiert im Umgang mit den Menschen auch außerhalb der Partei eingeschätzt. Hin und wieder kann er - im Zuge von Landtagsdebatten - allerdings auch einen ordentlichen obersteirischen Rappel kriegen - dann mutiert der überzeugte, langjährige Vollbartträger kurzzeitig zum Feuerkopf. Aufgrund der Zusammenarbeit mit der ÖVP im Land („Reformpartnerschaft“) richtete sich diese fast ausschließlich gegen die Opposition, weshalb ein Youtube-Video von Anfang Oktober im Nationalratswahlkampf bei der ÖVP für Irritation sorgte: Da warnte Lercher in einem Gasthaus-Auftritt vor der Kurz-ÖVP, wegen der der Verlust des 13. und 14. Monatsgehalt und der Abfertigung bzw. die Einführung der Ambulanzgebühr und Arbeiten bis 70 Jahre drohe.

Dass eine Reform der Parteistrukturen dringend notwendig war, hatte Lercher schon früh erkannt: In einer Diskussion im März 2011 beklagte er im Beisein von Voves u.a., dass „durch den Ochsenweg durch die Parteistrukturen“ oft die besten Leute vorzeitig ausscheiden würden. Ein Jahr später war er Reformkoordinator und wurde von Voves am 1. Mai 2013 als „der 26-jährige Charly Blecha der Steiermark“ bezeichnet. Lercher: „Nur ein breiter Beteiligungsprozess wird es uns ermöglichen, neu anzufangen. Befragungen gab es schon genug, wir verpflichten uns zur Rückmeldung an jeden.“ Die SPÖ bewege sich noch „in Strukturen der 1980er- und 1990er-Jahre“, es brauche neben der Stammorganisation eine neue „Zielgruppensäule, in der die Bevölkerung Möglichkeit zur Mitsprache in der Partei hat. Das bedeutet langfristig auch, die Bevölkerung in die Erstellung von Wahllisten miteinzubinden“. Der kurzfristige Erfolg stellte sich jedenfalls nicht ein - die SPÖ fuhr im Mai 2015 Verluste ein, Voves übergab den LH-Posten an die zweitstärkste ÖVP, die ebenfalls Verluste eingefahren hatte.

Lercher tanzte bisweilen - ganz in SJ-Tradition - aus der roten Reihe, als er z. B. am Parteitag 2012 einen Antrag zur Abschaffung des Kleinen Glücksspiels stellte - bis dahin eher ein Thema der Grünen und Kommunisten. Bei der Einführung des umstrittenen Bettelverbots durch die SPÖ-ÖVP-“Reformpartner“ stimmte er 2011 als einziger Abgeordneter der Regierungskoalition mit Grünen und KPÖ gegen das Verbot. Im Juni 2011 organisierte er am Vorabend des FPÖ-Bundesparteitages in Graz eine Lichterkette. Gegen Übereifrige in den eigenen Reihen ging er rigoros vor: Zwei Mitglieder der SJ wurden nach einem „Reiche Schlachten“-Posting auf Facebook ihrer Funktionen enthoben.

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