Bezirk Landeck

Paznauner Gemeinden wollen eigenes Kraftwerk

© Reichle

Die Kraftwerk Paznaun GmbH sagt gemeinsames Projekt mit der Donau Chemie ab. Die Betreiber glauben, dass der Strompreis wieder steigt.

Von Matthias Reichle

Paznaun –Allen Schwierigkeiten am Strommarkt zum Trotz beharren die Paznauner Gemeinden auf einem eigenen Wasserkraftwerk an der Trisanna. Vor wenigen Tagen erteilte die Generalversammlung der Gemeinschaftskraftwerk Paznaun GmbH, an der See, Kappl, Ischgl und Galtür beteiligt sind, einem gemeinsamen Projekt mit der Donau Chemie und dem Unternehmen Gebrüder Haider eine Absage.

Der Wettbewerb um die Nutzung der Energie des Talflusses zur Stromproduktion geht nun bereits einige Jahre. Es wurden mehrere konkurrierende Projekte eingereicht, die derzeit miteinander in einem so genannten Widerstreitverfahren stehen.

Zuletzt wollten sich die Konkurrenten – die Gemeinschaftskraftwerk Paznaun GmbH, an der auch das Land­ecker Unternehmen Gebrüder Kofler beteiligt ist, die Donau Chemie und das Unternehmen Gebrüder Haider – auf ein gemeinsames Kraftwerk einigen, um einem jahrelangen Gerichtsverfahren aus dem Weg zu gehen. Derzeit liegt der Fall beim Landesverwaltungsgericht in Innsbruck.

„Das gemeinsame Projekt hatte durchaus seinen Reiz“, betont der Geschäftsführer des Gemeinschaftskraftwerks Paznaun und Galtürer Bürgermeister Toni Mattle. Mittel- und langfristig sei aber ihr Projekt zu bevorzugen.

Die Gemeinden und das Landecker Unternehmen Kofler planen ein Kraftwerk mit einer Wasserfassung zwischen den Seer Weilern Platz und Habigen. Das Krafthaus solle bei der derzeitigen Wasserfassung des Kraftwerks Wiesberg entstehen. „Die Jahresstromproduktion läge bei 30 Gigawattstunden“, so Mattle. Die Kostenschätzungen gehen von Investitionen in Höhe von 30 Mio. Euro aus.

Aufgrund der Strompreisentwicklung und der Situatio­n beim Kraftwerk Stanzertal habe man das weitere Vorgehen durchaus kontroversiel­l diskutiert, so Mattle. „Wir wissen, dass wir extrem viele Eigenmittel einbringen müssen“, erklärt er. Sonst sei die Rentabilität in Frage gestellt. Man habe sich zudem mit der Strompreisprognose auseinandergesetzt. Der Galtüre­r Bürgermeister geht davon aus, dass der Markt den Preis wieder nach oben treiben wird.

Der Beschluss in der Generalversammlung war einstimmig. Davor wurde das Thema auch in den Gemeinderäten diskutiert, hier sprach sich Ischg­l für die „kleine Variant­e“ aus.

„Überrascht“ zeigt sich der Betriebsleiter der Donau Chemie Landeck, Marcel Amon, von der Entscheidung. Man habe geglaubt, auf einer gemeinsamen Schiene zu sein. Selbst werde man das gemeinsame Projekt mit dem Unternehmen Gebrüder Haider aufrechterhalten. Es sieht eine Wasserfassung bei der Seeberbrücke vor. Das Wasser soll dann wie bisher beim Krafthaus Wiesberg abgearbeitet werden, erklärt Amon die Idee. Insgesamt sollen damit pro Jahr 50 GWh Strom erzeugt werden.

Amon bedauert, dass mit dem Widerstreitverfahren nun weitere Zeit verloren geht.

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Matthias Reichle

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